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Den Bewegungsdrang von Kindern für das Lernen nutzen

Körperliche Aktivität führt zeitlebens zu neurobiologischen Anpassungen und beeinflusst dadurch emotionale, soziale und kognitive Prozesse. Schon im Mutterleib werden durch die Bewegungen des Kindes und die der Mutter die Bildung, Entwicklung und Vernetzung von Nervenzellen angeregt. Bewegung zählt deshalb zu den wichtigsten Stimulationen des Gehirns. Körperliche Aktivität wirkt sich allerdings während der gesamten Lebensspanne positiv auf die Struktur und Funktionsweise des Gehirns aus, wobei nach neueren Forschungen vor allem Ausdauerbelastungen dem altersbedingten Verlust von Gehirnsubstanz entgegengewirken, was zu einer verbesserten mentalen Leistungsfähigkeit im Alter führt. Das Erlernen komplexer geistiger Prozesse bildet das Gehirn teilweise anhand von Strategien nach, die es beim Erlernen motorischer Prozesse erfolgreich verankert hat, wobei häufig äußere und innere Bewegung miteinander zusammenhängen. Bewegung macht daher natürlicherweise Kindern Spaß und ist für die körperliche, kognitive und psychosoziale Entwicklung von Kindern und Jugendlichen wichtig. Leider besteht heute die Tendenz, bewegungsfreudige, neugierige und kontaktfreudige Kinder skeptisch zu betrachten und auch die Diagnose ADHS ist dann nicht mehr weit. Eltern glauben daher oft, schon von kleinen Kindern eine hohe Selbstkontrolle zu fordern. Dabei ist der Bewegungsdrang und auch die Notwendigkeit, diesem nachzukommen, ein ganz wesentliches Hilfsmittel beim Lernen. Eltern können sich oft nicht vorstellen, dass Lernen auch bei körperlicher Aktivität stattfindet und akzeptieren nur das Lernen im Sitzen.

Schon in der Antike haben griechischen Lehrende ihre Lehrstunden und Diskurse im Gehen abgehalten, denn sie wussten, dass Bewegung nicht nur den Körper, sondern auch das Gehirn in Schwung bringt und in Schung hält. Bereits im Mittelalter wandelten Mönche in Kreuzgängen, lernten und lehrten gehend, denn über körperliche Aktivität lässt sich die Leistung steigern. Studien zeigen, dass Erwachsene während des Walkens leichter Informationen aufnehmen als in Ruhe am Schreibtisch sitzend, denn Bewegung wirkt sich generell positiv auf das Gedächtnis und die Aufmerksamkeit von Menschen aus. Studien zeigen auch, dass Kinder, die Sport treiben, einen größeren Hippocampus haben, was zwar nicht bedeutet, dass Kinder durch den Sport automatisch lernen, aber sie besitzen dadurch bessere Voraussetzungen, sich Informationen und Fertigkeiten anzueignen. Körperliche Betätigung wirkt sich auch auf die kognitive Kontrolle von Menschen positiv aus, was mit der Steuerung von Aufmerksamkeit zu tun hat, die für das Lernen von Relevanz ist, denn Menschen, die Sport treiben, können besser wichtige besser von unwichtigen Informationen unterscheiden, was auch den Lernerfolg deutlich erhöht. Die Grundschullehrerin Annette Holl schlägt im Newsletter von Elternwissen.com vor, nicht gegen den Bewegungsdrang von Kindern anzukämpfen, sondern das Lernen in Bewegung zu fördern und den Bewegungsdrang der Kinder für das Lernen zu nutzen. Bei der heutigen Organisation von Schule bewegen sich Kinder bis zum Nachmittag sehr wenig und die Erledigung des Schulwegs mit einem Schulbus, einem öffentlichen Verkehrsmittel oder gar dem Auto der Eltern reduziert die früher auf dem Schulweg übliche Bewegung zusätzlich. Die Summe aller Bewegungszeit eines Grundschulkindes sollte pro Tag etwa zwei Stunden betragen, wobei auf eine Bewegungseinheit mit 30 Minuten durchgehender Aktivität fallen sollte.

Sie nennt drei Phasen des häuslichen Lernens, bei denen die Bewegung genutzt werden können:

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Phase 1: Bewegung vor dem Lernen

Bereits Bewegungen mit geringer Intensität (z. B. aufstehen, gehen oder sich setzen) reichen aus, um die Informationsverarbeitung im Gehirn zu optimieren. Schicken Sie Ihr Kind also nicht direkt vom Mittagessen an den Schreibtisch. Lassen Sie es stattdessen im Haushalt mithelfen (z. B. die Spülmaschine einräumen, den Müll runterbringen oder die Wäsche aufhängen).

Phase 2: Bewegung beim Lernen

Lassen Sie Ihr Kind alternative Sitzformen ausprobieren. Vielleicht kann es besser arbeiten, wenn es vor seinem Tisch steht oder mit einem Kissen unter dem Oberkörper auf dem Boden liegt. Eventuell hilft ihm auch das Sitzen auf einem Sitzball, einem Sitzwürfel aus Schaumstoff oder auf einem mit Luft gefüllten Sitzkissen (z. B. Dynair Kids). So bleibt es beim Arbeiten in Bewegung. Bemerken Sie, dass die Konzentration Ihres Kindes nachlässt, hilft eine kurze Bewegungspause. Übungen wie z. B. Schulternkreisen, einen Hampelmann machen, um den Stuhl herumgehen oder in die Küche und wieder zurückhüpfen bieten sich an. Allerdings sollte diese Auflockerung nicht länger als fünf Minuten dauern, damit Ihr Kind zum Lernen zurückfindet.

Phase 3: Bewegung nach dem Lernen

Geben Sie Ihrem Kind nach den Hausaufgaben die Möglichkeit, sich so richtig auszutoben. So kann es abschalten, um am nächsten Vormittag wieder die nötige Konzentration für den Unterricht aufzubringen. Schicken Sie Ihr Kind täglich mindestens eine Stunde zum freien Spielen nach draußen: auf Bäume klettern, Fußballspielen, Seilhüpfen usw. Durch die frische Luft wird zudem der für Ihr Kind wichtige erholsame Schlaf in der Nacht gefördert.


An manchen Schulen gibt es das Lernen in Bewegung als ein Konzept, das Kinder im Unterricht spielerisch und in Bewegung lernen lässt. Es stellt nach Ansicht von Experten eine nachhaltige Präventionsmassnahme in Bezug auf die Phänomene des zunehmenden Bewegungsmangels, der Konzentrationsschwierigkeiten und des Übergewichts bei Kindern dar. In Schulen sind Bewegungs- und Lernstationen sind
eine effektive Möglichkeit, individualisierte Formen des Unterrichts auf engem Raum bewegt zu gestalten. Sie unterstützen den Lernprozess durch die Integration vieler Sinne ideal. Zudem lernen die Schülerinnen und Schüler eine Technik des Lernens kennen, die sie auch zu Hause anwenden können.

Auch Musik bewegt und bietet eine einfache Möglichkeit, Musik und Bewegung miteinander zu verbinden, wobei sich Musik vor allem für bewegte Pausen eignet.

So kann das Lernen des Multiplizierens mit der Übung “Wie geht die Malreihe weiter?” unterstützt werden, indem das Kind körperlich vorwärts oder rückwärtsgeht oder. hüpft. Dabei wird der Zahlenraum auch körperlich verinnerlicht so wie Kinder etwa auch das Zählen beim Stiegensteigen oder Gehen auf natürliche Weise lernen.

Zur Förderung von Kindern mit Lese-Rechtschreib-Störungen wird von der Freiburger Rechtschreibschule (FRESCH) eine Methode zur Synchronisierung von Bewegung und Sprache eingesetzt.

Bewegung hat übrigens nicht nur eine stimmungssteigernde sondern auch antiaggressive und angstlösende Wirkung.

 


Quellen
http://www.elternwissen.com/ (11-09-14)

http://www.schulebewegt.ch/ (11-03-21)

http://lerntipps.lerntipp.at/557/multiplizieren-lernen-mit-bewegung (10-11-21)

http://lerntipps.lerntipp.at/478/freiburger-rechtschreibschule-fresch (11-03-02)

 

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