Soll man seinen Kindern bei Hausaufgaben helfen?

Hausaufgaben sind Hausfriedensbruch ;-)

 

Untersuchungen zeigen, dass LehrerInnen, die häufig Hausaufgaben geben, insgesamt erfolgreicher sind als solche, die das nicht tun, wobei der Umfang der Hausübungen keinen wesentlichen Einfluss hat. Schüler profitieren offensichtlich davon, wenn sie regelmäßig ihre Aufgaben erledigen, wobei es ebenfalls nicht darauf ankommt, wie lange Schüler an den Aufgaben sitzen, sondern die Leistungen werden mit der Zeit sogar schlechter, sodass mehr Zeitaufwand meist kein Zeichen von Fleiß, sondern bloß von Ineffizienz ist. Das sind auch lernpsychologisch gut abgesicherte Tatsachen - siehe dazu die klassische Vergessenskurve von Ebbinghaus.

Fast jedes Kind durchlebt in seiner Schulzeit Phasen, in denen es weniger Lust auf Hausaufgaben hat. Hausaufgaben sind ein wesentlicher Bestandteil des schulischen Lernens, denn durch die aktive Wiederholung des in der Schule vermittelten Stoffes wird mit den Hausaufgaben das erarbeitete Wissen wiederholt und gefestigt. Oft fragen sich Eltern dabei, wie man seinem Kind Spaß am Lernen vermitteln kann, also wie man sein Kind motivieren kann! Dabei stellen sich eine Menge wichtiger Fragen: Hatten und haben die Eltern selbst Spaß beim Lernen? Wie sehen die eigenen Erfahrungen der Eltern mit dem eigenen Lernen aus? Mit welchen selbsterprobten Mitteln wollen sie ihr Kind motivieren? Haben diese Mittel bei ihnen selber überhaupt gewirkt? Wie sehen die Erinnerungen daran aus? Waren es eher Qualen oder war es ein Vergnügen?

Allerdings sind Hausaufgaben im Schulalltag und in den Familien ein zentrales Konfliktthema, denn LehrerInnen diskutieren mit ihren SchülerInnen über die Art und den Umfang der Hausaufgaben, Eltern streiten mit ihren Kindern über die zeitgerechte und sorgfältige Erledigung der Hausaufgaben, SchülerInnen kommen mit sich selbst in Konflikt, weil sie andere Dinge interessanter finden als die ihrer Meinung nach sinnlosen und faden Hausaufgaben, insbesondere in der Pubertät. Höchstens für bevorstehende Schularbeiten und Prüfungen zu lernen und zu üben führt bei einigen SchülerInnen zu einem gewissen Engagement in Bezug auf Hausaufgaben.

Nach der Studie "Eltern-Lehrer-Schulerfolg" (2013) in Deutschland ist die Effektivität der von Eltern verwendeten Übungs- und Lehrmethoden kaum ein Thema einer kritischen Reflexion, sodass in empirischen Untersuchungen immer wieder festgestellt wird, dass bei der überwiegenden Mehrzahl der Familien (über 80%) die Qualität der Hausaufgabenbetreuung durch die Eltern suboptimal ist. Letztlich gilt: Viele Eltern lernen zwar nach der Schule mit ihren Kindern, aber es fehlt ihnen naturgemäß der didaktische Durchblick, wie sie ihre Kinder motivieren können, dass diese Freude am Lernen entwickeln. So entsteht häufig ein enormer Druck in den Familien

Eine halbe bis zu einer Stunde maximal sollten Grundschulkinder pro Tag darauf verwenden, im Unterricht gelernte Inhalte durch Hausaufgaben zu festigen oder sich auf ein neues Thema vorzubereiten. Das ist eine sinnvolle Regelung, wenn keine Probleme bei den Hausaufgaben auftreten, d.h., wenn die SchülerInnen damit nicht überfordert sind und ihre Hausaufgaben selbstständig erledigen können. Für manche Eltern sind Hausaufgaben am Nachmittag jedoch eine Quelle von Konflikten, da sie sich für den Schulerfolg der Kinder verantwortlich fühlen. Nach einer Umfrage in Österreich helfen 46 Prozent der Eltern regelmäßig bei der Hausübung. Viele Eltern fühlen sich überfordert, wenn es um Hausaufgabenprobleme oder generell um Lernprobleme geht. Das liegt oft daran, dass es manchen Kindern schwer fällt, sich beim Lernen zu organisieren, langfristig zu planen und selbstständig zu arbeiten. Eltern sollte bewusst sein, dass dies ein langsamer Lernprozess ist, den sie unterstützen müssen. Nützlich wäre es vor allem, methodische Lerntipps für eine effektive Hausaufgabenbewältigung oder abstrakte Lernstoffinhalt den Kindern zu vermitteln, damit diese Spaß am Lernen entwicklen und allmählich Selbstvertrauen aufbauen.

Die häufigsten Probleme im Zusammenhang mit Hausübungen sind dabei, wenn das Kind …

    • … nicht weiß, welche Hausaufgaben es machen muss.
    • … müde und erschöpft ist und keine Lust auf Hausaufgaben hat.
    • … unkonzentriert ist und seine Hausaufgaben immer wieder unterbricht.
    • … durch die Mahnungen der Eltern aus der Konzentration gerissen werden.
    • … die Hausaufgaben nicht versteht.
    • … Unterstützung bei den Hausaufgaben braucht, aber die Hilfe der Eltern nicht annehmen will, so dass es ständig zu Machtkämpfen kommt.
    • … die Hausaufgaben unterschlägt, um nicht um seine Freizeit zu kommen.
    • … Zeitdruck durch geplante Aktivitäten.

Das Thema Hausaufgaben gehört ins Lehrergespräch oder auf den Elternabend, denn dort sollte geklärt werden, wie viel Zeit die SchülerInnen maximal an den Hausaufgeben sitzen dürfen. Hausaufgaben dürfen übrigens nicht benotet werden, da sie ja nicht nachweisbar eine von SchülerInnen erbrachte Leistung darstellen, es sei denn, die Hausaufgaben werden in den Unterricht einbezogen und es entstehen daraus mündliche Leistungen, die in der Schule zu erbringen sind. Es sollten klare Regeln vereinbart werden, wie Eltern reagieren sollen, wenn ein Kind die Hausaufgaben nicht in der vereinbarten Zeit bewältigen kann:

  • Soll das Kind dann länger an den Hausaufgaben sitzen bleiben?
  • Soll es nach der festgelegten Zeit mit den Hausaufgaben aufhören dürfen?
  • Können nicht gemachte Hausaufgaben am Wochenende nachgeholt werden?
  • Gibt es eine Kontrolle darüber, ob die Kinder möglicherweise zu viele Hausaufgaben aufhaben?

Je konsequenter und regelmäßiger ein Kind seine Hausaufgaben erledigt, desto stärker werden sie ganz normaler Bestandteil des Alltags, sodass die Frage, ob Hausaufgaben gemacht werden müssen oder nicht, sich gar nicht mehr stellt. Eine tägliche Arbeitszeit für Hausaufgaben wird so selbstverständlich, wobei Abweichungen von dieser Regel natürlich möglich sind, jedoch die Ausnahme bleiben sollten.

Nach Aussagen von Frank M. Spinath (Saarbrücken) wird der Einfluss der Eltern auf die Schulleistungen von Kindern oft überschätzt. Eine zentrale Rolle bei den Leistungen von SchülerInnen spielen vor allem die Intelligenz und das Arbeitsgedächtnis eines Kindes, also die Fähigkeit, etwas gleichzeitig im Gedächtnis zu behalten und flexibel damit zu arbeiten. Außerdem hat es einen Einfluss, ob ein Kind seine Stärken erkennt und auf diese dann auch Wert legt und entsprechend einsetzt - also letztlich die Motivation. Primär wirkt dabei die intrinsische Motivation, wenn ein Kind Spaß am Lernen hat, sich für die Sache selbst interessiert, wissbegierig ist noch mehr über ein Stoffgebiet wissen möchte, also durch den Lerninhalt selbst motiviert ist. Als sekundäre, extrinsische Motivation wirkt etwa die Hoffnung auf gute Noten, die Erwartung von Lob und Anerkennung, oder auch der Versuch, andere Menschen nicht zu enttäuschen, meist Eltern oder auch LehrerInnen. Am effektivsten lernt ein Kinder aber stets, wenn es dies aus Interesse an der Sache selbst tut, also aus intrinsischer Motivation, wobei das Kind den Arbeitsaufwand dann meist als gar nicht so hoch empfindet, wie er tatsächlich ist. Daher ist es für Eltern immer wichtig, Kinder dazu herauszufordern, zu einer minimalen intrinsischen Motivation zu kommen, also aus dem Grund zu lernen, um einen Sachverhalt zu verstehen.

Hinzu kommen Umwelteinflüsse, etwa der Freundeskreis. Es gibt Eltern, die ihre Kinder in Schulangelegenheiten weitgehend in ihrer Autonomie unterstützten und Eltern, die ihre Kinder mit Druck und Belohnungen zu besseren Leistungen in der Schule animieren wollten, also durch erhöhte Kontrolle). Kontrolle ist in vielen Fällen kontraproduktiv und kann eher zu einer Überforderung führen.

Hilfe vs Einmischung

Verantwortungsteilung Schule - Eltern
Die Schule ist für Lernprozesse und Bildung zuständig, die Eltern sind dafür verantwortlich, dass die Kinder in die Schule gehen, ausgeschlafen sind und aktiv am Unterricht teilnehmen können.

Grundsätzlich sind Hausarbeiten und Hausaufgaben für die Entwicklung des Leistungsniveaus von SchülerInnen zwar unverzichtbar, aber es kommt dabei auf das richtige Maß und die Qualität an. Zu umfangreiche Hausaufgaben behindern nämlich eher die Lernfortschritte, als sie zu fördern, denn wenn ein Schüler lange über Aufgaben brüten muss, verliert er die Motivation und schließlich die Lust am Fach. Mittels verschiedener wissenschaftlicher Studien konnte festgestellt werden, dass sich Eltern teils förderlich und teils negativ bei der Erledigung von Hausaufgaben einbringen. Psychologen des Berliner Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung zeigten in einer Studie, dass ein Schüler der 7. Klasse am Ende des Schuljahres einen höheren Wissensstand erreicht, wenn er selbstständig für die Erledigung der Aufgaben sorgt. Je weniger Eltern über die Hausaufgabenmotivation und das Hausaufgabenverhalten ihrer Kinder wissen, desto eher kann davon ausgegangen werden, dass sich dies als nicht förderlich erweist. Alois Niggli (Pädagogische Hochschule Freiburg) wies in einer Untersuchung nach, dass Eltern sich vor allem dann ungefragt beim Hausaufgabenmachen einmischen, wenn SchülerInnen schlechte Leistungen bringen. Allerdings führt die Einmischung von Eltern nicht zu besseren Leistungen, sondern zu schlechteren, weshalb sich Eltern dann noch stärker einmischen, sodass ein Teufelskreis entsteht, der zu emotional extrem belastenden Situationen führen kann, die für den Lernprozess kontraproduktiv und sinnlos sind. Unerwünschte Einmischung zerstört die Motivation und das Selbstvertrauen und folglich die Leistung. Auch die Kontrollfrage der Mutter und die gutgemeinten Tipps vom Vater werden von Kindern als Einmischung erlebt. Für die Unterscheidung zwischen Hilfe und Einmischung ist dabei nur das Empfinden des Kindes relevant. Eltern sollten also nur dann helfen, wenn Kinder und Jugendliche die Eltern um Hilfe bitten, denn diese Hilfe verbessert die Leistung. Und auch in diesen Fällen kann manchmal eine indirekte Hilfe günstiger sein als eine direkte. Es ist ganz natürlich, dass Kinder bei Hausaufgaben immer wieder Hilfe und Unterstützung benötigen, doch fördert das Vorgeben von Lösungen nicht das eigenverantwortliche Arbeiten. Günstiger ist es, wenn man seinem Kind nur indirekt hilft, sodass es selber auf die Lösung des Problems kommen und auf seine Leistung stolz sein kann. Man kann dem Kinde empfehlen, einen Begriff doch einmal in einem Buch oder Lexikon oder im Internet nachzuschlagen.

Wolfgang Endres empfiehlt in einem Interview, dass Eltern nicht immer ansprechbar sein sollten, vor allem sollten Eltern - und hier meist Mütter - bei den Hausaufgaben in Dauerbereitschaft sein müssen, denn das erleben Kinder oft auch als Stress. Eltern dürfen ihren Kindern durchaus einmal signalisieren, dass sie gerade eine Pause benötigen, um später wieder ganz für sie da zu sein, denn im positiven Sinne wird dadurch auch eine gewisse Gelassenheit trainiert. Zwar treibt es nach Ansicht von Endres manche Eltern in den Wahnsinn, wenn Kinder erst am Abend mit den Hausaufgaben beginnen, doch viele brauchen eine Pause nach der Schule und wollen erst einmal ihre Ruhe haben, die man ihnen zugestehen sollte. Wenn Eltern ihre Kinder genau beobachten, können sie zum Beispiel entdecken, dass Unlust oft auch ein Ausdruck von Müdigkeit sein kann.

Siehe dazu die Checkliste, ob ein Kind elterliche Hilfe bei Hausaufgaben braucht.

Neueste Studien belegen, dass die Eltern für den Lern- und Schulerfolg viel wichtiger sind als Lehrer. Eltern prägen entscheidend Motivation und Lernverhalten ihrer Kinder. Das Buch zeigt Eltern, welche Bedeutung ihre eigene Haltung zu Schule und Lernen für ihren Nachwuchs hat.

Daher stellt sich die Frage: Soll man es überhaupt tun und wenn ja, wie soll man das tun?

Grundsätzlich gilt: Ein Kind sollte allein mit der Schule zurecht kommen. Allerdings fällt es vielen Eltern schwer, sich auf eine "Begleit-" und "Kontrollfunktion" zurückzuziehen. Das österreichische Schulunterrichtsgesetz etwa besagt, dass Hausübungen so gewählt werden sollen, dass Schüler diese ohne fremde Hilfe durchführen können. Allerdings helfen in der Realität mehr als die Hälfte der Eltern ihren Kindern dabei, die jedoch häufig damit überfordert sind. Die Auswertung einer diesbezüglichen Studie in Österreich ergab, dass jeder fünfte Schüler im Durchschnitt zwei Stunden Nachhilfe pro Woche erhält und der Anteil an Nachhilfeschülern in Hauptschule und Gymnasium etwa gleich hoch ist. Der Zeitaufwand den die Nachhilfeschüler zu Hause für die Schule aufbringen ist ebenfalls um etwa eine Stunde höher als der Zeitaufwand eines Nichtnachhilfeschülers (vgl. Wagner, Spiel & Tranker 2003, S. 235 f).

Eltern als Nachhilfelehrer?

In einer Frage&Antwort-Community schreibt eine Posterin zu dieser Thematik (gekürzt; W. S.): "Nachhilfe von einem Nahestehendem zu bekommen kann schnell problematisch werden. Gestaltet sich die Nachhilfe emotional problematisch, dann hat sich das "neutrale" Helfen im Fach (Mathe, Latein, was-auch-immer...) mit dem Persönlichen vermischt. Der oder die Lernende kann sich erniedrigt fühlen, minderwertig, gedemütigt. Der Helfende geht auf Eiern, ist von Fettnäpfen umgeben, manchmal geradezu von einem Minenfeld. Bei dem kleinsten Schritt gibt es eine Explosion, egal wo man hintritt. ;-) Ich kann mich noch daran erinnern, dass mir mein Vater manchmal bei Mathe geholfen hat. Wenn dann mal eine wertende Bemerkung von ihm kam (Bsp: "Was, Bruchrechnen kannst du immer noch nicht??" oder sowas in der Art...), dann war ich schnell verletzt oder schämte mich wegen meiner "Dummheit". Um das zu vermeiden habe ich lieber zwei Stunden alleine nachgedacht, um mir diese "Erniedrigung" zu ersparen. Wenn solche Bemerkungen auch meist nicht so gemeint sind, will man doch von dem Nahestehenden geliebt und respektiert werden, und das ist in einer Helfersituation nicht so leicht. Nachhilfe mit einem fremden Menschen läuft da viel unproblematischer ab. Während meines Studiums und danach habe ich oft Nachhilfe gegeben. Die Erinnerung an die Situationen mit meinem Vater sind immer noch da und sie helfen mir, achtsam zu sein, respektvoll mit dem Lernenden umzugehen. Meine unangenehme Erfahrung war also nicht ganz umsonst. :-)“

Eltern sollten dabei bedenken, dass durch ihre nicht vorgesehenen Hilfen der Lehrer bzw. die Lehrerin ein falsches Bild von den Möglichkeiten des Unterrichts bekommt und daher mehr verlangt, als notwendig wäre. Es kommt hier zu einer Spirale des Leistungsdrucks!

Tipp: Wenn man als Eltern ausnahmsweise mit seinem Kindern gemeinsam lernen oder üben möchte, dann sollte man das nie tun, wenn man gerade zufällig etwas Zeit für das gemeinsame Üben hat, sondern sollte rechtzeitig einen festen Zeitpunkt vereinbaren, der einen gewissen Abstand zu den normalen Hausaufgaben hat, um damit das Besondere der Ausnahme zu dokumentieren. Dabei sollte man sich auch genau an den vereinbarten Zeitrahmen halten - empfehlenswert sind kurze Zeiträume von maximal 20 Minuten! - und diese nicht überschreiten, etwa wenn etwas nicht zu Ende gebracht wurde, sondern man sollte dann eine neue Übungs- oder Lernzeit vereinbaren.

"Warum schreibt dieses Kind schlechte Noten beim Test, wenn es doch immer brav die Hausübung gemacht hat? Vielleicht Mami fragen! Die betätigt sich schon jetzt öfter als schulische Ghostwriterin, als ihr lieb ist."
Zitat aus dem Artikel "Hausübung ist oft die Leistung der Eltern" des Standard vom 11. Jänner 2011

Das Kind soll das, was es in der Schule gelernt hat, anhand von Aufgaben üben und vertiefen. Das ist der Sinn von Hausaufgaben. Außerdem erkennen Lehrer an den Hausaufgaben, ob alle Kinder den Stoff verstanden haben. Das kann aber nur funktionieren, wenn die Kinder die Aufgaben alleine gemacht haben. Eltern sollten die LehrerInnen ansprechen, falls die Kinder Probleme bei den Aufgaben haben. Grundschüler der vierten Klasse etwa sollten täglich eine Stunde Hausaufgaben machen, jüngere Kinder entsprechend weniger. Das legen in der Regel die offiziellen Richtlinien und Lehrpläne nahe. Kinder können aber auch nicht von heute auf morgen etwas alleine machen, wenn sie es zuvor nicht gelernt haben. Eltern sollten daher darauf achten, schon kleinen Kindern im Vorschulalter Verantwortung zu überlassen. 

Ein zentraler Begriff in der Psychologie ist das Selbstmanagement, der beshreibt, dass jemand, der in der Lage ist, Probleme selbstständig zu lösen, nicht nur den Alltag in Schule, Beruf und Privatleben besser meistert, sondern ist auch gegen viele psychische Störungen gefeit ist. Schon Kinder in der Grundschule können Selbstmanagement erlernen, wobei dies altersgemäß erfolgen muss, d.h., man darf sie nicht überfordern. Wenn Kinder nur deshalb selbstständig sein sollen, damit man als Erwachsener seine Ruhe hat, wird scheitern. Die Aufgabe der Eltern bei der Erziehung zum Selbstmanagement ist die Hilfe zur Selbsthilfe, die Organisations- und Planungshilfe. Eltern sollen und können nicht Nachhilfelehrer sein, aber sehr wohl Berater.

Eigenverantwortung muss man am besten früh lernen – etwa beim Aufräumen des Kinderzimmers, das ein ideales Übungsfeld für die ersten Aufgaben nach dem Spiel sind. Hier können Kleinkinder lernen, ihre Dinge selbst aufzuräumen und in Ordnung zu halten. Das können sie zunächst nicht alleine, sodass Mutter und Vater am Anfang helfen müssen. Sie können ihren Kinder als Vorbild zeigen, wie man aufräumt und Ordnung hält. Wichtig sind kleine, überschaubare Aufgaben, denn ein Kind kann nicht das ganze Wohnzimmer aufräumen.

Kinder sollen im Endeffekt lernen, ihre Aufgaben alleine zu machen. Lehrer und Eltern müssen sie an diese Selbständigkeit heranführen. Schon die Erstklässler können lernen, ihre Schultasche alleine zu packen und in Ordnung zu halten. Keine Mutter muss die Tasche ihres Kindes tragen oder packen. Das Kind soll früh lernen, sich seine Zeit selbst einzuteilen, um später Strategien entwickeln zu lönnen, wann und wie es am besten lernen kann. Ein Kind braucht natürlich einige Zeit, um das zu verinnerlichen. Wenn Schulkinder sich mit der Menge der Aufgaben überlastet fühlen, hilft es, wenn Mutter oder Vater die Aufgaben dosieren. Siehe dazu den Lerntipp Schule managen"Management für die Schule".

Oft fällt es einem Kind aber nur schwer anzufangen, weil es so viel vor sich sieht, sodass es gar nicht weiß, wo es beginnen soll. Als Elternteil sollte man sich dann aufzählen lassen, was alles zu erledigen ist, und dann fragen, womit das Kind am liebsten beginnen möchte. Wichtig ist aber, sich dann einmal zurückzuziehen. Eltern sollten in jedem Fall nur den Impuls zum Anfangen geben.

Ein Problem vieler SchülerInnen bei umfangreicheren Aufgaben liegt oft im Hinausschieben und Zaudern - der Aufschieben Hinausschieben Aufschieberitis. Die Arbeit wird solange nach hinten geschoben, bis keine Zeit mehr bleibt, sie zufriedenstellend fertigzustellen.

Dabei fühlt man sich unentwegt unwohl, nämlich vor der Arbeit, während der Arbeit und sogar danach. Für das Hinausschieben gibt es verschiedene Gründe

  • Ihr Kind weiß nicht, wie es eine Aufgabe bewältigen soll. Signalisieren Sie Ihrem Kind, dass Sie ihm jederzeit zur Seite stehen. Wenn Ihr Kind also nicht weiß, wie es eine Aufgabe lösen kann, Sie selbst es aber auch nicht wissen, dann suchen Sie mit Ihrem Kind nach Antworten, z. B. in Lexika oder im Internet. Günstig ist es auch, wenn Sie Ihrem Kind einen Bekannten von Ihnen vermitteln könnten, der in dieser Frage kompetent ist.
  • Ihr Kind hat noch nicht ausreichend Erfahrung im Erarbeiten komplexerer Themen. Hier ist es sinnvoll, einen Schritt nach dem anderen zu machen. Schlagen Sie vor, dass Ihr Kind zunächst den schwierigen Teil der Aufgabe löst, dann hemmen die Anfangsschwierigkeiten nicht mehr und der Rest geht beinahe von allein.
  • Ihr Kind hat Angst, seine Aufgabe nicht gut zu erfüllen. Mit dieser Einstellung liegt es natürlich nahe, mit nichts zu beginnen! Ermuntern Sie Ihr Kind: Man muss es einfach versuchen!
  • Ihr Kind beschäftigt sich lieber mit etwas anderem. Helfen Sie Ihrem Kind Selbst-Disziplin zu üben. Machen Sie deutlich, dass an erster Stelle die Hausaufgaben stehen!
  • Ihr Kind will alles perfekt machen. Schon häufig ist aus einer Sache nichts geworden, weil sie zu perfekt werden sollte! Erklären Sie Ihrem Kind, dass es normal ist, wenn eine Arbeit in der Entstehungsphase wie eine Baustelle aussieht. Setzen Sie mit Ihrem Kind Korrekturfristen, sodass eine Arbeit beispielsweise nach der zweiten Korrektur als beendet zu betrachten ist. Denn eine "perfekte" Arbeit ist ansonsten niemals endgültig fertig!

Hausaufgaben sollen das in der Schule Gelernte vertiefen, den weiteren Unterricht vorbereiten und zu eigenverantwortlichem und selbstständigem Arbeiten anregen. Aber auch manche LehrerInnen scheinen Hausaufgaben nicht viel Interesse entgegenzubringen, denn oft werden sie am Schluss der Stunde noch schnell verteilt. Althergebrachten Regeln wie "zehn Minuten Hausaufgaben pro Tag und Schuljahr" sind nach neueren Erkenntnissen ungeeignet, denn während der beste Schüler fünf Minuten braucht, sitzt der langsamste dreißig Minuten daran. Viele Studien belegen, dass gerade jene Schülerinnen, die wenig motiviert sind, am längsten an den Hausaufgaben sitzen. Inge Schnyder (Pädagogische Hochschule Freiburg) moniert, dass Hausaufgaben ein zu wenig genutztes Potenzial darstellen, denn in einer 45-Minuten-Schulstunde muss sich ein/e SchülerIn dem Lerntempo der Klasse anpassen und kommt 2 Minuten dran, bei 20 Minuten Hausaufgaben ist er zehnmal länger aktiv beteiligt. Schnyder hat den Zusammenhang von Hausaufgaben und Lernerfolg untersucht und kommt zum Schluss, dass ein engagiertes, sorgfältiges Hausaufgaben-Verhalten durchgängig mit höheren Leistungen und einer besseren Leistungsentwicklung verbunden sind. Aber: Die bloße Zeit, die SchülerInnen für die Hausaufgaben aufwenden, spielte nicht nur keine Rolle, sondern sie ist sogar negativ mit dem Erfolg verbunden: Lange über den Hausaufgaben brüten bringt also nicht bessere, sondern eher schlechtere Leistungen, und zwar auch bei SchülerInnen mit gleicher Begabung. Wer lange lernt, lernt also noch lange nicht mehr, eher deutet besonders langes Hausaufgabenmachen auf mangelnde Motivation oder auf falsche Lernstrategien hin. Die beste Leistungsentwicklung zeigen dagegen jene SchülerInnen, die mit Sorgfalt an Hausaufgaben herangehen. Daher sollten Hausaufgaben weder unter- noch überforderen, sondern eine leistbare Herausforderung bieten. Wenn SchülerInnen Hausaufgaben als interessant und nützlich empfinden, erledigen sie diese sorgfältiger, und das wiederum führt zu mehr Leistung.

Übrigens: In den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wurden die Hausaufgaben in einem Schweizer Kanton versuchsweise abgeschafft, sodass ein paar Jahre lang die Schwyzer SchülerInnen ihre Aufgaben in der Schule statt zu Hause erledigten. Eine Überprüfung zeigte, dass die Schulleistungen deshalb nicht schlechter wurden und in den Familien gab es weniger Stress und Streit. Dennoch wurde der Versuch nach massiven Elternprotesten beendet.

Neben der Leistung sollen Hausaufgaben aber vor allem auch das sogenannte selbstregulierte Lernen fördern, das selbständige Arbeiten. Daher besitzen sie auch einen erzieherischen Wert, da die SchülerInnen auf diese Weise lernen sollen, ihre Pflichten zuverlässig und pünktlich zu erfüllen und Prioritäten zu setzen. Manche SchülerInnen sind jedoch mit ihren Hausaufgaben zeitlich oder inhaltlich überfordert, sodass diese oft nachlässig oder gar nicht gemacht werden. Wichtig ist es aus Elternsicht, günstige Rahmenbedingungen für die Hausaufgaben zu schaffen. Dazu gehören eine entspannte und ruhige Atmosphäre, in der sich das Kind wohl fühlt und konzentriert arbeiten kann, ein geregelter Tagesablauf, in dem die Hausaufgaben ihren festen Platz haben. Nach der Schule sollte mindestens eine Stunde Zeit für Mittagessen und Erholung bleiben.

Siehe dazu auch Was können Eltern konkret bei Hausaufgaben tun?

Literaturtipps:

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Quellen & Literatur:

http://gerlindehaslinger.typepad.com/gerlindes_lernstudio/2006/05/soll_ich_meinem.html#more (06-12-12)
http://www.nachhilfe.de/immer_hausaufgaben.html (06-12-12)
http://www.wdr.de/radio/schulportal2007/ratgeber/archiv/hausaufgaben_tipps/ (08-01-011)
http://www.kinder.de/Hausaufgaben_und_Schularbeiten.1604.0.html (08-04-04)
http://www.sailer-verlag.de/newsletterartikel/der-tagliche-kampf-mit-den-hausaufgaben.html (08-10-23)
http://www.nzz.ch/nachrichten/wissenschaft/verflixte_hausaufgaben_1.820032.html (08-09-06)
http://lisarosa.twoday.net/topics/Lernen/ (09-03-15)
http://danis-allerlei.blogspot.com/2010/02/ruhige-zeiten.html (10-02-25)
Bracht, Thea (2013). Das richtige Lernen lernen. Interview mit Wolfgang Endres.
Stuttgarter Zeitung vom 18.02.2013
Wagner, P., Spiel, C. & Tranker, M. (2003). Wer nimmt Nachhilfe in Anspruch? Eine Analyse in Hauptschule und Gymnasium. Zeitschrift für Pädagogische Psychologie, 17, 233-243.


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