Ein Musikinstrument lernen

Quellen & Literatur:
http://pressetext.at/news/
110422002/musikschule-macht-
sich-lebenslang-bezahlt/ (11-04-22)
Jansen-Osmann, Petra (2006).
Der Mozart-Effekt –
Eine wissenschaftliche Legende?
Oder: Der Einfluss von Musik auf
die kognitive Leistungsfähigkeit.
Musik-, Tanz- und Kunsttherapie, 17, 1–10.

Musik zu machen ist ein sinnliches Erlebnis, und schon kleine Kinder versuchen, durch Singen, Klatschen und Schlagen Geräusche aus den verschiedensten Gegenständen hervorzubringen. Das Spielen eines Musikinstruments ist ein Erlebnis, das mit anderen Tätigkeiten in diesem Alter nicht vergleichbar ist. Musizieren macht Kindern in der Regel Spaß aber auch Mühe, die sich dann unter Umständen aber in anderen Lebensbereichen lohnt, denn das Kind lernt mehr, als nur ein Instrument zu spielen: Bereits, wenn es wenige Melodien beherrscht, freut es sich darüber und gewinnt Selbstvertrauen. Musizieren schärft die Wahrnehmung, denn Kinder hören genau hin und erleben, welche Töne sie selbst produzieren, sie lernen, sich zu konzentrieren und trainieren ihr Gedächtnis. Das Spielen auf einem Instrument fördert auch die Feinmotorik und gemeinsames Musizieren die sozialen Fähigkeiten.

Wer als Kind ein Musikinstrument lernt, schult damit sein Gehirn für das ganze Leben, wobei mehrere Gehirnfunktionen durch den Instrumentalunterricht nachhaltig verbessert werden - was auch für Menschen gilt, die das Instrument nach der Schulzeit an den Nagel hängen. So schneiden Musikstudenten beim visuellen Gedächtnis oder bei Strategiebildungen besser ab als Kommilitonen aus der Medizin oder Psychologie. Zudem zeigen Schlaganfallpatienten bei gleichem Schädigungsausmaß geringere Ausfälle, wenn sie früher musiziert haben.

Als wahrscheinliche Ursache vermutet man besser vernetzte Gehirnzellen, die Kompensationen bei Ausfällen von Teilen des Gehirns erleichtern. Es zahlt sich nach diesen Forschungsergebnissen immer aus, ein Instrument gelernt zu haben, auch wenn es nur ein halbes Jahr Blockflöte war, doch gilt: je länger Senioren als Kind Instrumentalunterricht genommen hatten, desto besser schnitten sie bei Gehirntests ab, wobei sich der Vorteil jedoch auch bei jenen zeigte, die ihr Instrument nach der Lernphase nicht wieder angerührt hatten. Insgesamt entscheiden vor allem die Dauer des Instrumentenlernens sowie auch das Einstiegsalter, denn hier gibt es bestimmte Zeitfenster, in denen Kindergehirne besonders plastisch sind.

Doch sollten Eltern Kinder nicht zu früh zu einem Instrument zu bringen, denn wichtig ist es, die Entwicklungsstadien zu berücksichtigen. Wer weit kommen will, sollte spätestens mit zehn Jahren mit einem Streichinstrument oder Klavier beginnen, bei Blasinstrumenten oder Schlagzeug kann es auch später sein. Wer schon mit drei Jahren beginnt, macht anfangs sehr langsame Fortschritte, die Starter mit sechs Jahren schnell aufgeholt haben. Für die Plastizität des Gehirns oder die Entwicklung eines absoluten Gehörs bringt es jedoch Vorteile.

Um ein Musikinstrument zu erlernen, braucht das Kind Ausdauer und Durchhaltevermögen, doch ein Musikinstrument zu lernen darf kein Drill sein. Ob ein Instrument einem Kind tatsächlich liegt, kann durch ein Leihinstrument oder ein gebrauchtes Instrument geprüft werden. An Musikschulen wird häufig eine musikalischer Früherziehung angeboten, die eine gute Orientierung insbesondere für Vorschul- und Grundschulkinder bieten. Kinder können ein Instrument im Gruppen- oder Einzelunterricht lernen, wobei vielleicht auch die Teilnahme am Schulorchester und das gemeinsames Üben mit einer Vielzahl von Instrumenten Spaß machen kann. Meist lernen Kinder SchülerInnen aus unterschiedlichen Klassen kennen und gemeinsame Aufführungen oder Vorspielabende sind ein großer Anreiz, intensiv dafür zu üben.

Nach Jansen-Osmann (2006, S. 8) ist der fördernde Einfluss von Musikunterricht auf die kognitive Leistung zwar nachgewiesen, jedoch sind die Effekte recht klein und können vermutlich auch durch andere Aktivitäten erzeugt werden: "Betrachtet man die Bedeutung des Musikunterrichtes unter einem Kosten-Nutzen Ansatz ist es klar, dass das Erlernen eines Musikinstrumentes hohe Kosten hat, um zu dem erwünschten Nutzen – die Verbesserung der kognitiven Leistungsfähigkeit – zu führen. Kritisch muss die Frage gestellt werden, ob nicht das Lesen eines guten Buches zu ähnlichen Effekten führt. Ignoriert man hingegen das gesamtgesellschaftlich vertretbare Kosten-Nutzen-Prinzip zugunsten einer individuellen Perspektive, so sollten sicherlich die Neigungen und Präferenzen unserer Kinder im Mittelpunkt stehen. Hier sind wir als Eltern aufgefordert, sorgsam jede Forderung nach Förderung abzuwägen und nie zu vergessen, dass Musik eben auch und besonders emotionale Aspekte wie Sensitivität und auch soziale Interaktion fördert".

Viele Kinder leiden auch oft unter der Fülle von Freizeitangeboten und Freizeitaktivitäten neben der Schule, daher sollte Eltern mit ihren Kindern darüber von Zeit zu Zeit ein Gespräch suchen, denn meist wissen diese ganz genau, wenn ihnen etwas eigentlich zu viel ist. Man sollte solche Aktivitäten in Zeiten hoher Belastung durch die Schule etwa während der Prüfungszeiten auf ein oder zwei Nachmittage in der Woche beschränken. Generell sollte sich Eltern jeden Tag Zeit nehmen, um mit ihrem Kindern über seine Erlebnisse und Gefühle zu sprechen, vielleicht bei einem gemeinsamen Abendspaziergang.

 


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