Eltern und sexuelle Aufklärung

Wir leben zwar in einer stark sexualisierten Umwelt, haben aber wenig Information, wie Kinder im Volksschulalter mit dem Thema Sexualität umgehen, denn selbst in der Fachliteratur herrscht hinsichtlich dieser Altersgruppe findet man kaum Informationen. Über die neuen Medien, vor allem über das Internet geschieht viel Selbstaufklärung, was daran liegt, dass Erwachsene und daher auch Eltern sich ungern mit dem Thema der kindlichen Sexualität auseinandersetzen, wobei eine der Ursachen darin liegt, dass sich kindliche Sexualität von jener der Erwachsenen wesentlich unterscheidet und nicht ausschließlich genital fixiert ist.

Medien und Schule sind nach einer Studie des Instituts für Forensische Psychologie in Essen für die Aufklärung von Grundschulkindern wichtiger als die Eltern, denn die Kinder nannten zu 65 % die Schule und zu 58 % die Medien als wichtige Quelle ihres Wissens über Sexualität. Nach Schätzungen haben 30 % der acht- bis 13-jährigen schon Kontakt mit Pornographie im Netz, denn in der Regel verhindert nur eine Klickbestätigung, schon 18 Jahre alt zu sein, um auf einschlägigen pornografischen Seiten im Internet somit Fotos und Videos anschauen zu können. Kinder und Jugendliche werden sehr früh mit einer Fülle von für sie völlig ungewohnten Bildern konfrontiert, was zu einer neuen Form der sexuellen Entwicklung führt, diese nämlich allein durch Anschauung kennenlernen zu können und zunächst ohne eigene Erfahrungen zu erleben.

Auch die Eltern (63 %) schätzen den Einfluss von Schule und Medien als hoch ein, meinen aber zu 70 %, dass ihre Kinder Informationen über Sexualität im Wesentlichen von ihnen erhielten. Diese Einschätzung unterscheidet sich aber von den Angaben der Kinder, die nur zu 22% angaben, Informationen zur Sexualität über ihre Eltern zu gewinnen. Eltern meiden Gespräche über konkrete sexuelle Handlungen, glauben aber trotzdem, dass sie ihre Kinder ausreichend aufgeklärt haben. Die meisten Eltern (70 %) können von ihren Kindern nackt gesehen werden und einige Eltern (9 %) berichten, dass ihre Kinder sie schon einmal bei sexuellen Handlungen beobachtet haben. Die meisten Eltern (75 %) gaben an, das Thema des sexuellen Missbrauchs allgemein angesprochen zu haben, allerdings nur 16 % in ausführlicher, konkreter Form. Der überwiegenden Mehrheit der Kinder (78 %) sind Begriffe wie sexueller Missbrauch bekannt, doch auch die ausführlicher informierten Kinder zeigen keine angemessenen Kenntnisse, denn in der Mehrheit wird sexueller Missbrauch sowohl von Eltern als auch Kindern mit einem fremden, gewalttätigen Verbrecher assoziiert.

Sexualität entwickelt sich bereits bei der Geburt, wobei sich Kleinkinder nach oraler, analer und genitaler Phase durchaus lustvoll und mit sexuellem Charakter dem Vater-Mutter-Kind-Spiel oder dem Doktorspiel widmen, verändert sich im Volksschulalter die soziale Bezogenheit. Sexuell dominiertes Spielen geschieht in diesem Entwicklungsalter nicht mehr mit jedem beliebigen Kind, da nun aufgrund der unterschiedlich rasch anwachsenden körperlichen Kräfte die Macht über andere an Bedeutung gewinnt.

Die Geschlechterrollen werden differenzierter, denn Mädchen putzen und sind zickig, Buben sind wild und blöd. Nichts ist lustiger, als Mädchen am Klo zu sekkieren, doch auch erste romantische Gefühle tauchen auf, wobei schon einmal derbe Sprüche fallen. Eltern und Lehrer sind hier gefordert, denn es gilt, sich von dieser Sprache abzugrenzen, ohne sie abzuwerten. Erwachsene müssen reflektieren, welche Sprache sie selbst verwenden und welche sie mit ihren Kindern finden, wobei ihnen klar werden soll, was Intimität bedeutet.

Kinder altersentsprechend aufzuklären, ist wichtig: Was ist dir angenehm? Was nicht? So, wie niemand sein Kind unvorbereitet in den Straßenverkehr schickt, sollte auch über Sexualität rechtzeitig gesprochen werden. Im Rahmen der Sexualerziehung in der Familie sollte man nicht nur Faktenwissen an die Kinder weitergeben, sondern auch den familiären Umgang mit der Sexualität vermitteln. Entscheidend ist, dabei eine Sprache für das heikle Thema zu finden, denn das Ausklammern dieses wichtigen Lebensthemas öffnet unerwünschten Aufklärern – etwa unter den Gleichaltrigen und in den Medien – Tür und Tor.

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Literatur und Quellen

Rechtzeitig über Sex reden. Ein Interview mit Angela Maderthanerund Irmgard Muhr von Claudia Werner in den OÖN vom 12. Januar 2009.
Erik Möller (2000). Wirkung von Pornographie auf Jugendliche.
WWW: http://www.scireview.de/vortrag/ (03-08-30)
Nonhoff, Katja & Orth (2009). Prävention von sexuellem Missbrauch - Sexuelle Aufklärungsbeiträge von Eltern, Schulen, Organisationen. Kindesmisshandlung- und Vernachlässigung, Heft 12.


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