Stellen Sie sich folgende Situation vor: Sie kommen nach der Arbeit nach Hause. Ihre Familie fragt, wie Ihr Tag gelaufen ist.
"Wie es heute war? Nun ja, wie immer. Als ich an meinen Platz kam, lag da ein Zettel. Darauf stand ‚Blöde Zicke. So eine wie dich brauchen wir in unserer Firma nicht! Verpiss dich.´ Das war auf dem PC geschrieben und ausgedruckt. Wie letzte Woche. Ich weiß nicht, von wem das ist, vielleicht sind es mehrere - keine Ahnung. In der Pause habe ich mich aufs Klo verzogen, damit keiner sieht, dass ich heule. Als ich vorhin nach Hause wollte, habe ich gemerkt, dass meine Jacke nicht mehr an der Garderobe hing. Sie lag in der Abstellkammer und war total verdreckt. Das war´s. Sonst war nichts Besonderes."
Quelle: http://mobbing.seitenstark.de/index_e.asp (07-05-05)
Nach einer neueren Studie hat fast die Hälfte der SchülerInnen Erfahrung mit Mobbing. Der Rest folgt fast automatisch: Angst vor der Schule, Kopf- und Bauchschmerzen, Schlafstörungen, schließlich Schuleschwänzen. Mobbing wird von Schulleitern und LehrerInnen auf Grund eines oft inflationären Gebrauchs verharmlost, gibt es aber beinahe in allen Schultypen. Manche argumentieren gerade wegen dieser inflationären Verwendung, dass alles, was früher eine Hänselei oder Rempelei war, heute vor allem von Eltern auch schon als Mobbing bezeichnet wird.
Zunächst ist Mobbing auch dadurch wirksam, dass die Opfer das "Problem" erst einmal bei sich selbst suchen, und dies oft über längere Zeit. Nur selten informiert ein Schüler oder eine Schülerin einen Lehrer oder erzählt den Eltern, was ihm widerfährt. Fatal wirken sich die Folgen auf die gesamte Persönlichkeit aus: Zum Verlust des Selbstvertrauens (nicht nur im Leistungsbereich) können Schlafstörungen und Konzentrationsprobleme kommen. Durch die wahrgenommene Isolierung und Einsamkeit entwickeln sich depressive Tendenzen und Passivität. Die Lernmotivation nimmt ab bis zu Lernunlust und Schulvermeidung bzw. Schulverweigerung.
Umfassende Informationen zum Thema Mobbing in der Schule finden sich in den Arbeitsblättern, darunter auch ein Mobbingfragebogen.
Sprechen Sie allein zuerst mit dem Klassen- oder Vertrauenslehrer, vereinbaren Sie konkrete Schritte und einen Zeitrahmen. Bleibt dies ohne Ergebnis, suchen Sie das Gespräch mit der Schulleitung. Manchmal sind Schulen wenig kooperativ, daher ist ein genaues Protokoll über die Vorfälle nötig. Es ist ein gerne verbreitetes Vorurteil, dass Schüler(innen) Mobbing-Situationen selbst lösen. Mobbing vergeht nicht von allein, denn es werden im Gegenteil die Situationen der betroffenen Kinder eher schlimmer, wenn nichts geschieht. Es ist sowohl für das gemobbte Kind, als auch für das mobbende Kind überaus wichtig, dass Eltern eingreifen, denn Mobbing bewirkt Entmutigung bei den Opfern und Ermutigung bei den gewalttätigen Kindern.
Sprechen Sie mit Ihrem(n) Kind(ern) über das Phänomen Mobbing. Fragen Sie aber Ihr Kind niemals aus! Vermitteln Sie Ihrem Kind, dass man nicht immer alles als Angriff verstehen muss. Nicht jedes versteckte Federmäppchen ist böse gemeint. Bagatellisieren Sie aber niemals solche Vorfälle!
Hören Sie immer aufmerksam zu, wenn Ihr Kind von der Schule erzählt, und nehmen Sie es ernst, denn dann erkennen Sie kritische Situationen frühzeitig. Meist entsteht die Hilflosigkeit erst dadurch, dass das Kind das Gefühl hat, dass ihm nicht einmal seine Eltern Aufmerksamkeit schenken!
Halten Sie Kontakt zu den LehrerInnen, nutzen Sie Elternsprechtage und Sprechstunden. Fragen Sie nicht nur nach Noten, sondern auch danach, ob Ihr Kind gut in die Klasse integriert ist.
Bereiten Sie ein Gespräch mit dem Lehrer/der Lehrerin sorgfältig vor und überlegen Sie vorher, was Sie von ihm/ihr und der Schule erwarten.
Schildern Sie den Vorfall sachlich, am besten auf Grund ihrer schriftlichen Aufzeichnungen. Unterlassen Sie in jedem Fall Schuldzuweisungen, denn die LehrerInnen wissen meist wenig und können in der Regel nichts dafür.
Entwickeln Sie gemeinsam mit dem Lehrer oder der Lehrerin konkrete Strategien und bitten Sie ihn/sie, nicht den speziellen Mobbingfall Ihres Kindes zu diskutieren, sondern darüber, welche Konsequenzen Mobbing jeglicher Art in Zukunft für die Täter haben wird.
Überprüfen Sie nach kürzerer Zeit, ob der Lehrer tatsächlich etwas unternommen hat.
Suchen Sie niemals in den Gesprächen mit ihrem Kind die Schuld bei ihm selber. Machen Sie nicht nur Ihrem Kind, sondern auch den LehrerInnen unmissverständlich klar, dass Sie nicht bereit sind, Mobbing zu akzeptieren.
Versuchen Sie auch nie, mit den Eltern der TäterInnen zu reden, denn die meisten Eltern schützen ihr Kind und billigen so indirekt oder direkt sein aggressives Verhalten. Selbst wenn sie es bestrafen, wirkt sich das in aller Regel negativ auf das Opfer aus.
Auch sollten Sie nicht mit den TäterInnen reden, denn das zeigt den "Mobbern", dass sich Ihr Kind nicht wehren kann. Sie schwächen damit die Position Ihres Kindes noch mehr.
Nehmen Sie ihr Kind nie zu den Lehrergesprächen mit, denn eine Konfrontation mit dem Lehrer belastet ein Kind, das gemobbt wird und verstärkt seine Schuldgefühle.
Denken Sie daran, dass alle Massnahmen erfolglos sein könnten, denn es gibt MobberInnen, die sich wenig um Maßnahmen kümmern, welche ein Lehrer oder die Schule unternimmt.
Siehe auch die Checkliste: Wie gut ist ein Kind gegen Gewalt gewappnet?
Die Schule ist neben der familiären Umgebung der zweite große "Verpflegungsor"t für Kinder und Jugendliche, sodass sich Veränderungen häufig unmittelbar auf die Persönlichkeit und auf die Gesundheit eines Kindes auswirken. Neben dem Leistungsdruck sind vielfach auch Mobbing via SMS und Facebook Auslöser von Störungen, wobei diese virtuellen Welten oft keine guten Lebensräume für Kinder und Jugendliche sind, um die Möglichkeit des spielerischen Lösens von Konflikten zu erlernen.
Da Kinder und Jugendliche für psychische Belastungen oft keine Sprache besitzen, reagieren sie dabei auf Stress und psychische Belastung mit körperlichen Beschwerden wie dem klassischen Schulbauchweh, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen oder Angstsymptomen. Dabei handelt es sich um Hilferufe auf körperlicher Ebene, wobei fünf bis zehn Prozent aller Buben und Mädchen unter solchen somatoformen Störungen leiden, wobei Mädchen mit zunehmendem Alter etwas häufiger betroffen sind. Das Charakteristische dieser Störungen ist, dass sie trotz wiederholter Untersuchungen ohne medizinischen Befund bleiben. Oft lassen sich Hintergrund und Bedeutung des schulkindlichen Schmerzes erst in einer Psychotherapie offengelegen, in denen Kinder gefördert werden, Ressourcen zu entwickeln, um kritische Situationen besser zu meistern, wobei auch die Eltern lernen sollten, die Ängste ihrer Kinder zu verstehen.
Man kann als Eltern eines Mobbingopfers die MitschülerInnen nicht wirklich zu einer Verhaltensänderung "erziehen", sondern es ist nur möglich Grenzen zu setzen. Um Ihrem Kind wirklich zu helfen, braucht es häufig qualifizierte professionelle Hilfe vom Schulpsychologen, denn es muss herausgefunden werden, warum man Ihr Kind mobben kann und dann braucht es eine Denk- und Verhaltensänderung bei Ihrem Kind und bei den Eltern. Zwar haben sie einen erheblichen Beitrag zur seelischen Entwicklung Ihres Kindes geleistet, aber vielleicht müssen auch Eltern auch etwas in ihren Einstellungen und in ihrem Erziehungsstil verändern.
Schulen brauchen präventive Anti-Mobbing-Strategien und wirkungsvolle Lösungen im Umgang mit konkreten Mobbing-Vorfällen. Das gemeinsame Handeln in der ganzen Schule ist von größerer Wirkung als jede Einzelaktion in den verschiedenen Klassen - Eltern sollten sich daher auch an den Elternrat der Schule wenden, wenn sie das Gefühl haben, die Schule unternimmt zu wenig. Hauptanliegen sollte es allerdings nicht nur sein zu reagieren, sondern auch wirksam der Gewalt in verschiedenen Formen vorzubeugen.
Schulen und LehrerInnen schützen sich oft mit dem Argument: "Wir können nichts gegen Mobbing unternehmen!" Sie können jedoch hinschauen und handeln. Fixieren Sie generell alle Absprachen schriftlich, denn geschieht weiterhin nichts, ist eine Meldung bei der Schulbehörde ratsam, eventuell mit anwaltlicher Hilfe.
http://focus.msn.de/schule/eltern/schule/paedagogik/mobbing (06-10-10)
http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/KOMMUNIKATION/Mobbing.shtml
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