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Nachhilfe - Ja oder Nein?

Schulen scheinen auf den ersten Blick erfunden worden zu sein,
um ein Milliardengeschäft mit Nachhilfe machen zu können.
Wolfgang Liegle

Jetzt ist es passiert! Der Fünfer oder Sechser - je nach Notenskala - droht. Die erste Reaktion - das ist verständlich - ist sowohl bei Eltern und Kindern Betroffenheit, manchmal Scham. Eltern schicken ihre Kinder dann zur Nachhilfe in der Hoffnung, dass durch gezielte Förderung das Kind wieder zurück in die Spur findet. Die Nachfrage ist deshalb so groß, denn zum einen wünschen sich Eltern für ihre Kinder einen möglichst hohen Schulabschluss, um die Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen, was in vielen Fällen dazu führt, dass Kinder in den Höheren Schulen überfordert sind. Zum andern ist das Vertrauen der Eltern in das Bildungssystem nicht erst seit der Pisa-Studie zurückgegangen. Eltern, insbesondere berufstätige Mütter, haben heute viel weniger Zeit als früher, sich um die Aufgaben ihrer Kinder zu kümmern. Durch die steigende Zahl der Einzelkinder fällt auch die Hilfe von älteren Geschwistern weg; Großeltern sind auf Grund der gegenüber früher wesentlich erweiterten Stofffülle meist überfordert. Hier ein Beispiel aus den Pro Schule News, in denen von einem Mädchen berichtet wird, das in der 8. Klasse in Deutsch, Mathematik, Englisch und BWL Nachhilfe erhält. "Natürlich gibt es viele Gründe für den Einsatz von Nachhilfelehrern. Nachhilfeunterricht – egal ob auf privater oder institutioneller Basis, erhalten immer mehr Kinder. (…) Doch die Art der Nachhilfe im Sinne von kurzfristig und vorübergehend nachzuhelfen, wird seltener. Immer häufiger berichten Eltern, dass sie langfristige Verträge mit Paukstudios haben, damit das Kind am Nachmittag während der Hausaufgabe betreut wird. Die Eltern argumentieren, dass sie den Kindern nicht helfen können. Wirklich? Oder manchmal auch nicht wollen, wie mir eine Mutter ganz ehrlich beim Gespräch über die Organisation der Mittagsbetreuung gestand: „Ich habe keine Lust, mich nach der Arbeit noch mit dem Kind zu beschäftigen und zu lernen. Da bekommen wir nur Streit!“ Doch oft benötigt ein Kind nur einen kleinen Tipp, eine kurze Antwort eines Mitschülers, eine zweite Erklärung – auch durch Eltern – und schon kann es wieder alleine eine Aufgabe lösen. Kindern wird durch eine institutionalisierte Rundumversorgung leider manchmal auch die Selbstständigkeit genommen. Die Freiheit, sich selbst eine Lösung zu suchen, kommt zu kurz. Knobeln macht kreativ und führt oft auf Umwegen zu Lösungen. Dazu fehlt den Schülern die Zeit, aber auch die Geduld. Und auch den Eltern mangelt es an Nachsicht. Ein gut funktionierendes Schulkind zeigt doch im Kreis der Verwandten und Bekannten, dass man alles im Griff hat. Quasi, ein Qualitätsmerkmal der eigenen Erziehung!"

Die Quote der Schüler mit Nachhilfeunterricht liegt nach verschiedenen Schätzungen daher zwischen 20 und 30 Prozent, wobei manchmal auch vom Bildungs-Reparaturbetrieb gesprochen wird, wobei alle beteiligten Gruppen mit Schuldzuweisungen schnell bei der Hand sind: LehrerInnen verweisen auf dumme und faule SchülerInnen, die oft im falschen Schultyp sitzen und deshalb den Anforderungen nicht gerecht werden können. SchülerInnen und Eltern beklagen sich über unfähige LehrerInnen und deren Mangel an pädagogischen Qualitfikationen. Die Schule als Institution schiebt die Schuld auf die nicht mehr intakten Familienstrukturen, begründet meist mit der Berufstätigkeit beider Elternteile oder auch ehrgeizigen Eltern, die die intellektuellen Fähigkeiten ihrer Kinder falsch einschätzen. Machen verweisen sie auf die mannigfaltigen Ablenkungen durch die Freizeit und insbesondere der neuen Medien, die das Leben der Kinder und Jugendlichen immer mehr dominiert.

Wann ist Nachhilfe sinnvoll?

Nachhilfe ist prinzipiell kein Allheilmittel gegen schlechte Schulleistungen, denn für diese kann es viele Ursachen geben, und wenn diese nicht geklärt bzw. beseitigt werden, wird der Nachhilfeunterricht kaum sein Ziel erreichen. Eine gute oder schlechte Schulleistung kommt nämlich nicht nur durch Intelligenz, Begabung und Fleiß zustande, sondern auch durch den Einfluss der familiären und schulischen Rahmenbedingungen. Bevor man sich für Nachhilfe entscheidet, gilt es also die Ursachen für die schlechten oder sich verschlechternden Leistungen herauszufinden.

Nachhilfe bedeutet aber nicht, dem Schüler oder der Schülerin Arbeit abnehmen, sondern Nachhilfe bewirkt eher das Gegenteil: Nachhilfe macht zusätzliche Arbeit.

Nachhilfe ist angeraten, wenn ein Kind durch einen Umzug oder eine längere Krankheit Unterricht versäumt hat. Manchmal liegen die Gründe für einen Leistungsabfall auch in der Familie (Todesfall, Scheidung) beeinträchtigen Konzentration und Aufnahmefähigkeit. Ein Nachhilfelehrer kann auch dann Wissenslücken schließen, wenn Kinder durch häufigen Lehrerwechsel, Unterrichtsausfall oder eine zu große Klasse aus dem Tritt kommen. Wichtig ist, dass das Kind sich selbst zur Nachhilfe motivieren kann, denn sonst sind die Erfolgsaussichten gering. Die Nachhilfe sollte auch nicht zu lange andauern, nach sechs bis neun Monaten sollten Fortschritte erkennbar sein. Öfter als zwei Mal in der Woche sollten Kinder nicht zum Nachhilfe-Unterricht geschickt werden! Eltern sollten aber auch überlegen, was die Ursachen für die schlechten Leistungen sind. Stets ist der Klassenlehrer erster Ansprechpartner, denn er kennt die Stärken und Schwächen des Kindes. Hapert es in mehreren Fächern, ist ein Kind vielleicht generell mit den Anforderungen überfordert. Dann sollte man überlegen, ob es nicht besser die Schulform wechselt. Hat ein Kind eine Lese-, Schreib- oder Rechenschwäche oder ein Aufmerksamkeits-Defizitsyndrom, macht Nachhilfe keinen Sinn. Dann muss es speziell gefördert werden.

Wann ist Mathe-Nachhilfe sinnvoll?

Wann kann der Nachhilfelehrer helfen?

mathe nachhilfe1. Lücken schließen:

Die Tatsache, dass der Stoff der Schulfächer in den Jahrgangsstufen aufeinander aufbaut, gilt im Besonderen für das Fach Mathematik. Lücken, die in früheren Jahrgangsstufen entstanden sind, nimmt der Schüler in die nächste Klassenstufe unweigerlich mit.

Das Schließen dieser Lücken ist also oberstes Gebot für erfolgreichen Nachhilfeunterricht. Hier hat ein erfahrener Nachhilfelehrer einen immensen Informationsvorsprung. Viele Verständnisschwierigkeiten treten nicht nur bei einzelnen Schülern auf, sondern wurden in der Nachhilfe schon bei mehreren Schülern behoben. Nachhilfe ist dann natürlich sehr sinnvoll.

2. Die Zeit zum Lernen effektiv nutzen:

Der Stundenplan unserer Schüler wird immer enger und es sind immer mehr Lerninhalte in kürzerer Zeit zu bewältigen. Schüler sollten also die Zeit, die sie für das Lernen außerhalb der Schule verwenden müssen, so effektiv nutzen, wie möglich. Schüler, die alleine zuhause lernen sitzen jedoch oft vor den Aufgaben und kommen an einer bestimmten Stelle nicht weiter. Die Zeit, die dann verlorengeht, kann in der Nachhilfe sinnvoll verkürzt werden, indem der Nachhilfelehrer punktuell den richtigen Tipp gibt und der Schüler dadurch weiterrechnen kann. Für ein effektives Zeitmanagement der Schüler ist Nachhilfe sehr zu empfehlen.

3. Wichtiges von weniger Wichtigem unterscheiden:

Der Lehrplan der Schüler ist oft voll mit Inhalten, die in der Schule nicht immer abgewogen werden hinsichtlich ihrer Relevanz für Klassenarbeiten. Schüler und Eltern sind alleine meistens nicht in der Lage, einzuschätzen, welcher Stoff für Klassenarbeiten wichtig ist. Kein Lehrer kann jedoch alles abprüfen, was er im Unterricht durchgenommen hat. Professionelle Nachhilfelehrer greifen hier auf viel Erfahrung zurück. Sie haben oft über die Jahre hinweg hunderte Klassenarbeiten gesehen, diese Eindrücke ausgewertet und wissen deshalb, welche Lerninhalte zumeist und immer wieder von Lehrern abgefragt werden. Speziell darauf können Schüler dann trainiert werden, was meistens dann zu einer direkten Notenverbesserung führt.

4. Auf häufige Fehlerquellen hinweisen:

Lehrer bauen in Klassenarbeiten zumeist ähnliche Stolpersteine ein, das heißt, bestimmte Fehlerquellen treten immer wieder auf. Einem erfahrenen Nachhilfelehrer sind diese Fehlerquellen bekannt und er kann den Schüler im Nachhilfeunterricht besonders darauf hinweisen und Strategien an die Hand geben, wie er diese Fehler in Zukunft vermeiden kann. Informative Beiträge zu den häufigsten Fehlerquellen bei vielen unterschiedlichen Stoffgebieten der Mathematik und anderen Schulfächern finden sich auch auf der Seite der-Nachhilfe-Lehrer.de.

5. Übungsmaterial bereitstellen:

Professionelle Nachhilfelehrer verfügen in der Regel über einen großen Fundus an Übungsmaterial, von dem Schüler profitieren. Da gerade im Fach Mathematik kein Weg am Üben und der Entwicklung von Routine beim Rechnen von Aufgaben vorbeiführt, ist Nachhilfe eine große Hilfe.


Nachhilfeinstitut oder Privatlehrer?

Wer Nachhilfe für sinnvoll hält, muss sich zwischen einem Nachhilfeinstitut und  einem privaten Lehrer entscheiden. Privatunterricht hat viele Vorteile, denn der Lehrer kann das Kind individueller und intensiver betreuen und bei Unzufriedenheit kann der Lehrer schnell wieder vor die Türe gesetzt werden. Unbedingt sollte beachtet werden, dass die Chemie zwischen Privatlehrer und Schüler stimmt. Das Kind muss den Lehrer mögen, und dieser muss fachlich kompetent und in der Lage sein, das Kind zu motivieren. Nachhilfeinstitute bieten Einzel-Unterricht und Gruppenbetreuung an. Eltern müssenmeist einen Vertrag mit einer Mindestlaufzeit abschließen. Gruppenbetreuung ist zwar preisgünstiger als Einzelnachhilfe und beides hat Vor- und Nachteile. Zwar ist Einzelnachhilfe meist individueller und intensiver, aber es gibt auch Kinder, die lieber mit Gleichgesinnten in einer Gruppe lernen. Die Entscheidung ist oft auch eine Kostenfrage, denn der Unterricht in der Gruppe ist immer preiswerter zu haben als die Einzelnachhilfe. Nach Meinung von Experten sind die eigenen Eltern als Nachhilfelehrer ungeeignet, denn ihnen fehlt der emotionale Abstand. Ungeduld und Strenge können sich hemmend auswirken und ein ansonsten gutes Verhältnis zwischen Eltern und Kindern kann dadurch getrübt werden. Auch Geschwister sind hier meist wenig hilfreich, da ebenfalls zu viele persönliche Emotionen ins Spiel kommen können.

Die Angebote an Nachhilfeinstitutionen sind unüberschaubar, denn jeder, der sich dazu berufen fühlt, kann heute seine pädagogischen Dienste anbieten und ein Nachhilfeinstitut eröffnen. Meist müssen Eltern nach Gefühl entscheiden, wem sie ihre Kinder anvertrauen. Wichtig ist, dass man den Kontakt zum Lehrer oder zur Institution aufrecht erhält.

Oft findet man in den einschlägigen Werbungen für Nachhilfeunterricht, dass man in der Gruppe besser lernt als im Einzelunterricht, was nur bedingt richtig ist. Der Einzelunterricht gilt zu Recht als die effektivste Lernmethode, wenn ein Kind einen bestimmten Stoff schnell nachholen muss. Auch kann das Aufarbeiten von Defiziten oder die Vorbereitung auf eine Schularbeit gezielt angegangen werden. Viele Schüler haben Gruppenunterricht allerdings lieber, da er mehr Spaß macht und es entlastet, wenn auch andere Kinder Fehler machen. Ob ein Kind gern in einer Gruppe lernt, lässt sich leicht feststellen, denn seriöse Einrichtungen bieten meist unverbindliche Probestunden an, in denen man das herausfinden kann. In jedem Fall sollten Eltern aber bei der Bewertung von Nachhilfeinstituten überprüfen, wie groß die Lerngruppen üblicherweise sind, aus welchen Schülern (Schultyp, Klassenstufe, Fächer) sich die Gruppe zusammensetzt, in welchen Räumlichkeiten gelernt wird, welche Materialien und Hilfsmittel zur Verfügung stehen, welche Referenzen die LehrerInnen haben und wie die Verträge aussehen (Kosten, Kündigungsmöglichkeiten etc.). Hier kann der Kontakt zu Eltern anderer SchülerInnen hilfreich sein, denn möglicherweise haben diese bereits einschlägige Erfahrungen gemacht.

Kleine Checkliste für Nachhilfeinstitute

Auswahlhilfe für Nachhilfelehrer und Nachhilfeschulen

Die Arbeiterkammer Oberösterreichs empfiehlt vor der Auswahl einer Nachhilfeinstitution oder eines Nachhilfelehrers folgende Überlegungen anzustellen:

Tipp

Das deutsche Nachhilfeinstitut Keep School! bietet SchülerInnen auch kostenlose Unterrichtsmaterialien sowie ein Handbuch für Lehrkräfte an.

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Eltern unter sich

Wenn sich Eltern treffen und über ihre Kinder sprechen, dann kaum über schlechte Noten oder Probleme, sondern sie brichten am liebsten über positive Ereignisse und Erfolge ihrer Sprösslinge. Aber gerade der Erfahrungsaustausch über nicht so Gelungenes, auch wenn er nicht angenehm ist, könnte für Eltern sehr hilfreich sein. Wie hat man das Problem gelöst, wenn es um schlechte Leistungen in der Schule geht? Kann man einen guten Nachhilfelehrer empfehlen oder wie gut ist ein bestimmtes Nachhilfeinstitut? Empfiehlt sich eher der Einzelunterricht zu Hause oder doch eher das Lernen in einer kleinen Gruppe? Hat man mit einem bestimmten Nachhilfeinstitut gute oder schlechte Erfahrungen gemacht?

Siehe auch: Worauf Eltern bei der Auswahl der Nachhilfe achten sollten und die Checklisten für die Nachhilfe

Ein guter Nachhilfelehrer wird den Kontakt zur Schule suchen, um sich dort über Leistungsstand, Defizite und Lernstoff zu informieren. Man sollte unbedingt verschiedene Institute vergleichen, sich vor Ort ein Bild machen und eine Probestunde vereinbaren. Ein gutes Institut testet vor Beginn der Nachhilfe das Leistunvermögen des Kindes, steht in ständigem Kontakt zur Schule und arbeitet mit den vergleichbaren Lehrmitteln. Ein Institut sollte auch den Eltern klar machen können, weiche Lehrmethoden es anwendet. Wichtig sind auch die Räumlichkeiten des Nachhilfeinstitutes, die hell und freundlich gestaltet sowie dem Lernen angemessen eingerichtet sein sollten. Empfehlenswert sind seriöse Institute, die nur Verträge mit kurzen Laufzeiten abschließen. Ideal ist es, wenn der Vertrag monatlich kündbar ist. Seriöse Anbieter geben Interessenten "das Kleingedruckte" mit nach Hause, damit diese die Verträge in aller Ruhe studieren können.

Übrigens sieht es sogar das Gesetz bei Scheidungskindern vor, dass bei unvorhergesehenen außerordentlichen Bedürfnissen eines Kindes die Eltern verpflichtet werden können, einen außerordentlichen Beitrag für eine Nachhilfe zu leisten, was aber nur für einmalige oder zeitlich begrenzte Ausgaben zutrifft, die nicht durch die normalen Unterhaltszahlungen gedeckt werden können. Kosten für eine Nachhilfe sind aber in der Regel durch Alimente nicht abgegolten. Welchen Betrag der Vater oder die Mutter zu übernehmen hat, hängt vom Einkommen beider Eltern ab. Ist es sowohl dem erziehenden Elternteil als auch dem alimentierenden Elternteil finanziell zumutbar, einen Beitrag für den Nachhilfeunterricht zu leisten, sind die Anteile proportional zur Leistungsfähigkeit zu berechnen.

Online-Nachhilfe

In der Zeit des Internets wird natürlich auch Nachhilfe online angeboten, bei deren Auswahl aber einige Aspekte beachtet werden sollten: Der Computer muss die nötigen technischen Voraussetzungen aufweisen, um etwa an einem Nachhilfe-Chat teilnehmen zu können. Die passende Software sollte ebenfalls vorhanden und installiert sein. Preislich liegen die Online-Nachhilfe-Angebote im gleichen Bereich wie die meisten "realen" Institute. Vorteile sind die zeitliche und örtliche Flexibilität, denn es entfallen An- und Rückfahrszeiten. SchülerInnen können je nach Zeitplan und Vereinbarung mit den NachhilfelehrerInnen auch außerhalb einer fixierten Zeit in Kontakt treten. Es gibt auch weniger Berührungsängste, da man keinem realen Menschen gegenübersitzt, dem man seine eigenen Schwächen eingestehen muss. Allerdings verlangt das selbständige Arbeiten mehr Disziplin, sodass die notwendige Reife des Kindes beachtet werden sollte. Günstig wäre aus psychologischer Sicht eine Art Blended-Learning, wie das im Bereich des E-Learning üblich ist - siehe dazu die Arbeitsblätter eLearning, E-Learning, Blended Learning der Autoren der Lerntipps.

Nach Ansicht von Anita von Kuczkowski (2011), die selber Online Nachhilfe gibt, unterscheidet sich diese kaum von herkömmlicher Nachhilfe, denn nach ein paar Sitzungen vergisst man, dass der Schüler nicht neben einem sitzt, sondern ganz weit weg, evtl. sogar im Ausland. Guter online Unterricht muss sich also nicht von normalem Unterricht unterscheiden. Von Kuczkowskiein gibt ein paar Tipps für den Unterrichtsaufbau, der übrigens sich auch für die "normale" Präsenznachhilfe empfiehlt. So sollten sich Lehrer und Schüler ein wenig Zeit für zwischenmenschliches nehmen, nämlich Smalltalk. Dabei sollte man sich über das Befinden erkundigen und über allgemeine Ereignisse, um ein Vertrauensverhältnis zwischen Schüler und Lhrer zu stärken. Erst danach sollte man auf den aktuellen Schulstoff eingehen oer ob Prüfungen und Schularbeiten anstehen. Besonders wichtig ist die Empfehlung, am Schluss des Unterrichts noch einmal zu rekapitulieren, was in der Stunde gelernt wurde. Auch sollte man den Schüler fragen, wie er sich während des Unterrichts gefühlt hat und ob alles verständlich erklärt wurde.

Was tun bei Nachprüfungen?

Bei Nachprüfungen ist die Arbeit mit einem erfahrenen Nachhilfelehrer ist in jedem Falle sinnvoll. Das kann ein professioneller Nachhilfelehrer eines zuverlässigen Instituts sein, aber auch ein Abiturient oder ein Student. Wichtig ist: Es muss ein Lehrer sein, der den Stoff verständlich vermitteln kann, wie er im Lehrbuch steht und im Unterricht durchgenommen wurde. Alles andere verwirrt nur zusätzlich. Siehe dazu den Lerntipp Nachprüfung, Wiederholungsprüfung - Was können Eltern tun?


 

Geringer Forschungsstand zur Nachhilfe

Internationale Spitzenreiter bei der Nachhilfe sind asiatische Staaten wie Korea und Japan, wo rund 50 bis 70 Prozent der Schülerinnen und Schüler bis zur Sekundarstufe II nach der Schule in privaten Einrichtungen Nachhilfe nehmen. In England, Österreich und Polen wird Nachhilfe in ähnlichem Umfang wie in Deutschland genutzt. Andererseits hat in einigen Ländern wie beispielsweise Kanada oder den Niederlanden private Nachhilfe so gut wie keine Bedeutung. Eine internationale Tendenz ist, dass Schülerinnen und Schüler heute Nachhilfe weniger aus Angst vor schulischem Scheitern nutzen, sondern vielmehr zur Notenverbesserung, als Mittel zur Verschaffung eines individuellen Wettbewerbsvorteils.

Ein Gutachten des Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie (FIBS) in der BRD zeigte, dass derzeit jeder achte bis zehnte Schüler in Deutschland Nachhilfe nimmt, in den Sekundarstufen I und II jeder Vierte. Jeder dritte bis vierte Schüler hat während der Schullaufbahn Nachhilfe genommen. In den alten Bundesländern nutzen Gymnasiasten und Realschüler am häufigsten Nachhilfe, in den neuen Bundesländern sind es eher Hauptschüler. Die Mehrheit der Nachhilfeschülerinnen und -schüler ist zwischen 12 und 16 Jahren alt. Nachhilfe wird nach wie vor insbesondere in Mathematik, Englisch oder anderen Fremdsprachen und Deutsch genommen. Hohe Nachhilfequoten für das Fach Deutsch gibt es vor allem in den Grund- und Hauptschulen. Zudem nehmen Jungen häufiger als Mädchen Nachhilfe im Fach Deutsch. Umgekehrt verhält es sich für das Fach Mathematik.

Eine aktuelle Studie zum Thema Nachhilfe durch das Institut für Empirische Sozialforschung nennt für Österreich Gesamtausgaben von ca. 127 Mio. EUR pro Jahr, wobei vor allem sozial schwächere Familien mit den zusätzlichen Kosten von durchschnittlich 775 EUR pro Jahr belastet werden. Nach Angaben der Arbeiterkammer Wien kostet eine Unterrichtsstunde privater Nachhilfe durchschnittlich 19 €, an einem Institut hingegen werden im Schnitt 31 € für den Einzelunterricht verlangt.

Schüler aus einkommensstärkeren Familien sind unter den Nachhilfeschülern überrepräsentiert, während Kinder des untersten Einkommensquartils deutlich seltener Nachhilfe nehmen. Auffallend sind dabei die Unterschiede hinsichtlich des Bildungshintergrunds der Eltern: So scheint die Häufigkeit der Inanspruchnahme von organisierter Nachhilfe in Westdeutschland mit dem Bildungsniveau der Eltern abzunehmen, während sich in den neuen Ländern keine solchen Differenzen abzeichnen. Wenige große, bundesweit tätige Anbieter stehen einer Vielzahl regionaler und lokaler Anbieter gegenüber, die eines gemeinsam haben: Es gibt kaum Informationen über die Qualifikation der beschäftigten Lehrkräfte, auch wenn mit einer hohen Professionalität des Unterrichts geworben wird. Zwar steigt die Zahl der Zertifizierungsmaßnahmen, aber die Verfahren sind sehr verschieden und nicht aufeinander abgestimmt; einheitliche Qualitätsstandards gibt es nicht. Insbesondere fehlt eine Überprüfung der pädagogischen Inhalte, da der Nachhilfesektor nicht der Schulaufsicht unterstellt ist.

Gute Nachhilfe ist eine Nachhilfe, die sich relativ schnell überflüssig macht.
Anita von Kuczkowski

Nachhilfe als Dauerlösung?

Experten kalkulieren einen maximalen Zeitraum von sechs Monaten, da Nachhilfe nicht zu einer Dauerlösung mutieren sollte. Nach einer Studie aus dem Jahr 2008 wird Nachhilfe meist 12 Monate und mehr genutzt. Mögliche Ursachen nennt Ulrich von Scheel in seinem Weblog, die ich hier verkürzend zusammenfasse:

Anita von Kuczkowski, eine Nachhilfelehrerin, schreibt zur lang dauernden Nachhilfe in ihrem Weblog: "Ich habe auch viele Schüler, die eigentlich schon längst nicht mehr meine Hilfe benötigen, allerdings zu schätzen wissen, dass sie jemanden haben, den sie notfalls ansprechen können. Für viele bedeutet das regelmäßige Treffen auch einen festen Zeitpunkt zum Lernen zu haben. Eine Nachhilfe Lehrkraft kann diese Zeit auch immer gut nutzen, um die Herausforderungen langsam zu steigern, denn es schadet schließlich nie über seine Grenzen hinaus zu gehen, wenn man bereit ist sich darauf einzulassen." Hier sollte man nicht mehr von Nachhilfe sprechen, sondern hier taucht der alte Privatlehrer in veränderten Form wieder auf, der sowohl die Kinder als auch die Eltern entlasten soll.

In manchen Fällen besser als Nachhilfe ist aber

Lernbegleitung oder Lerncoaching

Lernbegleitung oder Lerncoaching ist dann ratsam, wenn man merkt, dass die Probleme in der Schule eher im Lernen selber liegen als in der Beherrschung des Lernstoffes. Ein gut ausgebildeter Lerncoach oder Lernbegleiter kann SchülerInnen dabei unterstützen, Defizite oder Hindernisse in seinem Lernprozess zu erkennen, wobei mit unterschiedlichen Methoden nicht allein auf der fachlichen Ebene des Lernens gearbeitet wird, sondern auch gezielt der Ausgangspunkt der Lernschwierigkeiten beseitigt werden soll. Bei der Lernbegleitung erfährt der Schüler bzw. die Schülerin in einer vertrauensvollen und unterstützenden Atmosphäre, wie er/sie seine/ihre Schwächen unter Ausnützung seiner/ihrer Stärken ausgleichen kann. Es wird dann gemeinsam mit dem Lerncoach ein Lernprogramm erstellt, das auf die Bedürfnisse eines Schülers oder einer Schülerin abgestimmt ist. Die Themen, die bei der Lernbegleitung berücksichtigt werden, reichen dabei von Zeitplanung über Lernorganisation bis hin zur Prüfungskompetenz. So erhält man bei einer Lernbegleitung oder einem Lerncoaching auch Tipps, wie man Ablenkungen vermeiden und seine Konzentrationsfähigkeit steigern kann. Dabei lernt man auch, mit unterschiedlichen Lerntechniken an den Prüfungsstoff heranzugehen, die es erleichtern sollen, seinen eigenen Lernplan zu verwirklichen. Da man in einem solchen Prozess auch bessere persönliche Lernstrategien entwickeln kann, wird man Schritt für Schritt erfolgreicher beim Erreichen seiner Lernziele werden. Letztendlich hilft eine Lernbegleitung auch, allmählich wieder Vertrauen in seine eigene Lernkompetenz und seine eigenen Fähigkeiten zu gewinnen und damit sein Selbstvertrauen zu stärken, also alles Qualifikationen, die einen erfolgreichen Abschluss einer Schullaufbahn unterstützen.

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Kurioses zum Thema Nachhilfe

Ein oberösterreichisches Nachhilfeinstitut hat einmal ausgewertet, nach welchen Sternzeichen SchülerInnen am meisten Nachhilfestunden nehmen. Dabei wurden die Daten von 1200 Buben und Mädchen erhoben. Es zeigte sich, dass ein Steinbock am häufigsten Nachhilfe benötigt während der Widder am seltensten diese in Anspruch nimmt. Häufig Lernhilfe benötigen auch Stiere und Löwen, während man Schützen seltener in Nachhilfekursen findet.

Literatur & Quellen:

http://www.wdr.de/radio/schulportal2007/ratgeber/archiv/nachpruefung_strategien/index.phtml (08-05-01)
http://www.wdr5.de/service/service_rat/743399.phtml (08-05-01)
http://www.ard.de/-/id=767354/wckgv7/index.html (08-04-9)
http://www.bmbf.de/pub/sachstand_nachhilfe.pdf (08-05-01)

Kuczkowski, Anita von (2011). Leitfaden für Lehrkräfte (Unterrichtsaufbau).
WWW: http://www.nachhilfe-online-blog.de/2011/01/leitfaden-fur-lehrkrafte.html (11-01-20)

http://nachhilfe.edublogs.org/2009/10/05/nachhilfe-keine-dauerloesung/ (09-09-09)

Dohmen, Dieter, Erbes, Annegret, Fuchs, Kathrin & Günzel, Juliane (2008). Was wissen wir über Nachhilfe? Sachstand und Auswertung der Forschungsliteratur zu Angebot, Nachfrage und Wirkungen. FiBS-Schriften zur Bildungs- und Sozialökonomie. Berlin: W. Bertelsmann Verlag.

Oberösterreichische Nachrichten vom 22. August 2013.


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