Eltern und Schulangst

Situationen in ihrem täglichen Leben bewerten Kinder als positives oder negatives Gefühl in Form von Emotionen und werden in ihrem Gedächtnis gespeichert. Da Kinder nicht nur angenehme Erlebnisse erfahren sondern auch unangenehme und negative Situationen, verinnerlichen sie mit der Zeit dafür Bewältigungsstrategien, die wesentlich für ihre Reaktion, ihr Verhalten in Krisenzeiten oder Stress in Zukunft sein werden. Dabei gehen Stress und Aktivierung Hand in Hand, wobei eine Stressbelastung immer dann individuell entsteht, wenn der Erregungszustand zu lange andauert. Die Reaktionen zeigen sich dann auf emotionaler Ebene (Zorn, Ärger, Trauer, Verunsicherung), auf psychophysiologischer Ebene (Müdigkeit, Hilflosigkeit, Kopfschmerzen, Schlafprobleme, Magen-Darmprobleme) und auf Verhaltensebene (Aggression, Gewalt, Hyperaktivität, Drogenkonsum, Rückzug). Auf welche Art und Weise Stressreaktionen sich in unsichtbaren Beschwerden oder sichtbaren Verhaltensweisen manifestieren, hängt von der Persönlichkeit und der Art der Copingstrategien, die ihnen zur Verfügung stehen, ab. Gewalt, Aggression, aber auch Lernblockaden, Prüfungsangst und psychosomatische Beschwerden sind daher stets der Ausdruck von Hilflosigkeit einer bestimmten Situation gegenüber.

Ängste und schwankendes Selbstwertgefühl kennzeichnen zwar die natürliche Entwicklung heranwachsender Kinder und Jugendlicher, doch sollten den Kindern in dieser Zeit der Unsicherheit Techniken und Strategien zur Verfügung stehen, die ihren Selbstwert stärken und das Gefühl der Ausweglosigkeit oder Hilflosigkeit gar nicht erst entstehen lassen. Ein besonders massiver Anstieg der Schulangst findet sich meist ab dem Ende der Grundschulzeit, wobei Mädchen mehr Angst empfinden und über ein geringeres Selbstwertgefühl verfügen als Burschen, wobei der Angstanstieg am deutlichsten beim Übertritt in das Gymnasium hervortritt. Ab dieser Zeit zeigen sich depressive Verstimmungen in Form von häufiger Müdigkeit und Arbeitsunlust, in erhöhtem Schulstress vor allem bei Prüfungssituationen, sowie in psychovegetativen Beschwerden wie Kopfschmerzen und Schlafstörungen.

Studien zum Thema Schulangst zeigen, dass sich bis zu fünfzig Prozent der Kinder und Jugendlichen durch den Schulalltag erheblich belastet fühlen, wobei die Betroffenen schlechtere Leistungen erbringen, Konzentrationsstörungen zeigen und ein hoher Prozentsatz über körperliche Beschwerden klagt. Vor allem vor Prüfungen, Referaten oder Schularbeiten werden die meisten Kinder von Schulangst geplagt, wobei der Einfluss von Schulangst auf die Leistungsfähigkeit von SchülerInnen meist unterschätzt wird, was sich insgesamt auch auf andere Lebensbereiche auswirkt, indem Schulangst die allgemeine Lebensfreude bremst und eine Art Teufelskreis entsteht.

Wie können Eltern Schulangst erkennen?

Die Ursache der Schulangst liegt meist am hohen Leistungsdruck, dem die SchülerInnen ausgesetzt sind, doch dieser Druck wird nicht nur von der Schule vermittelt, sondern oft im Elternhaus. Das beginnt häufig schon im Kleinkindalter, wenn die Eltern ihre Kinder mit anderen vergleichen und sehen, dass ein gleichaltriges Kind schon sprechen oder gehen kann und das Eigene das noch nicht beherrscht. So wird das Kind daraufhin „trainiert“, solang bis die Eltern zufrieden sind. Eltern sollten daher niemals die Leistungen ihres Kindes nicht mit den Leistungen von anderen Jugendlichen, Klassenkameraden oder gar Geschwistern vergleichen, denn solche Vergleiche erhöhen nur unnötig den Druck auf das Kind, weil es sich dadurch in der Regel als defizitär und leistungsschwächer wahrnimmt. Steht ein Kind unter starkem Leistungsdruck, sollten man ehrlich die eigenen Erwartungen reflektieren und diese mit den Erwartungen des Kindes abgleichen und sich gemeinsam fragen, ob die Erwartungen auch realistisch, also erfüllbar sind. Überhöhte Erwartungen wie auf den nächsten Test einen Zweier zu schreiben, wenn auch ein Befriedigend schon ein Erfolg wäre, führt dazu, dass ein Kind einen Dreier gar nicht als Erfolg wahrnehmen kann. Im übrigen gibt es im Leben immer andere Menschen, die erfolgreicher sind als man selber, und es kann nicht das Ziel im Leben sein, in Allem und Jedem der Beste zu sein!

Anzeichen für Schulangst bei Kindern sind häufige Krankheitstage, allmähliche Verschlechterung der Noten, die Lust sinkt, in die Schule zu gehen, das Fernbleiben während der Randstunden, häufiges Tagträumen, generell Passivität, Toilettengänge während des Unterrichts, das Spielen einer Außenseiterrolle in der Klasse, allgemeiner Leistungsabfall. Diese Merkmale treten oft bei gemobbten und sozial unsicheren Kindern auf, wobei viele unter Verlust- und Trennungsängsten leiden.

Was können Eltern gegen Schulangst unternehmen?

Eltern sollten möglichst früh reagieren, denn je länger ein Problem besteht, umso schwieriger ist eine Trendumkehr. Dabei ist es wichtig die Ursachen zu klären, also: Wovor fürchtet sich das Kind oder der Jugendliche konkret? Wichtig ist es, betroffenen Kindern wieder Selbstvertrauen zu geben, es zu loben, sich Zeit für sie zu nehmen, ihre Wünsche, Befürchtungen und Beschwerden ernst zu nehmen. Eltern sollten beim Auftreten von Schulangst ihre eigenen Erwartungen hinterfragen, denn zu hoher Leistungsdruck oder gar Strafandrohungen fördern Versagensängste. Keinesfalls sollten sich Eltern scheuen, professionelle Hilfe beim schulpsychologische Dienst oder bei Familienberatungsstellen zu holen, wobei diese Einrichtungen in der Regel kostenlos sind. Als letzte Lösungen bieten sich grundlegende Veränderungen an, denn falls die Probleme vor allem im Umfeld liegen, kann ein Klassen- oder Schulwechsel helfen.

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Will man Kindern die Nervosität vor Prüfungen nehmen …

… muss man unterscheiden, ob es wirklich nur Nervosität ist oder ob diese Nervosität die Leistung auch behindert. Bei einer echten Prüfungsangst sollte man bei wiederholtem Auftreten psychotherapeutische oder heilpädagogische Hilfe in Anspruch nehmen. Vor allem sollte man versuchen, angstreduzierende Maßnahmen vor der Prüfung zu setzen, etwa indem das Kind ein Symbol mitnehmen kann, das Sicherheit vermittelt - das kann sowohl ein Teddybär als auch das Lieblinggewand sein, aber auch ein Armband oder Amulett der Mutter. Konkret sollte man in der Früh das Gespräch mit dem Kind suchen und ermutigende Worte finden, etwa: „Du hast es bis jetzt immer gut geschafft“.

Übrigens: Wenn die Leistung in der Familie zu sehr im Vordergrund steht, können Kinder schon im Vorschulalter eine Vorstufe der Prüfungsangst entwickeln, vor kleineren Auftritten etwa. Kinder neigen dann dazu, sich in eine Stressspirale hineinzumanövrieren, wobei es nichts bringt zu versuchen, die Angst einfach wegzureden, denn das verstärkt sie sogar noch. Jüngere Schüler kann man in einem solchen Fall fragen, wann und wo etwas besonders gut gelungen beziehungsweise misslungen ist. Ältere Schüler können in der Zeit unmittelbar vor der Prüfung niederschreiben, was sie im Moment gerade bewegt. Untersuchungen haben nämlich ergeben, dass sich durch das Niederschreiben ihrer Emotionen Prüfungsängste tatsächlich reduzieren lassen.

Einige Hausmittel gegen Prüfungsangst!

Quellen

Stangl, W. (2008). Angst bei Kindern.
WWW: http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/EMOTION/AngstKinder.shtml (09-05-03)

Stangl, W. (2011). Prüfungsangst von der Seele schreiben.

WWW: http://lerntipps.lerntipp.at/834/pruefungsangst-von-der-seele-schreiben (11-01-15)

Fangrath, A. (2011). Kinderängste bewältigen: So helfen Eltern.
WWW: http://www.experto.de/ (11-07-01)

Leibold, G. (1988). Schulangst. Ursachen - Symptome – Behandlung. Wiesbaden: Englisch Verlag.

Schröder, H. (1980). Schulangst. In Arnold, W., Eysenck, H. J. & Meili, R. (Hrsg.), Lexikon der Psychologie. Freiburg: Herder.

Träbert, D.: Das Online Familienhandbuch. Schulangst, 2004

Online im Internet: http://www.familienhandbuch.de/cmain/f_Aktuelles/a_Schule/s_953.html#was (05.12.2005).

 

 


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