Der richtige Umgang mit Kinderängsten

Ängste bei Kindern haben viele Ursachen und Ursprünge, ein Teil ist genetische bedingt, wobei viele Angstformen durch Lernen und Erfahrung überformt und verändert werden. Elterliche Erziehung oder auch Schulerziehung haben oft ein merkwürdig ambivalentes Verhältnis zur Angst, denn auf der einen Seite wird Angst kaum positiv bewertet, auf der andern Seite sind völlig angstfreie Kinder nicht eben pflegeleicht bzw. beliebt. In beiden Erziehungsfeldern wird mit Angst sehr viel Erziehung, Verhaltenssteuerung und Motivation betrieben, denn ein Kind, das sich von Tadel, Strafaufgaben oder schlechten Noten wenig beeindrucken lässt, gilt bald als schwierig oder gar schwer erziehbar. Ab dem Zeitpunkt, wo in der Erziehung Grenzen vermittelt werden, wird oft unbewusst mit Ängsten gearbeitet. Bei genauer Betrachtung muss man feststellen, dass ein grosser Teil unserer institutionalisierten aber auch unserer traditionellen Erziehung auf Angsterzeugung beruht. Strafe wirkt nämlich nur dort, wo sie abschreckt, d.h., Angst steht manchmal versteckt hinter der Konkurrenz und dem Wettbewerb etwa durch die Notenzensur, die bei vielen Kindern nur deshalb "motivierend“ wirken, weil diese - meist sozialisationsbedingt - Angst haben vor dem Verlieren oder dem Unterliegen, Angst vor einer Blamage oder gar Angst vor der Einschränkung ihrer existentiellen Möglichkeiten in Form von Zukunftsangst haben. Unsere Kultur ist nach wie vor durchsetzt von Angstmachen und Ausbeutung dieses Affektes. Diese Ausbeutung wird dadurch ermöglicht, dass Erziehung oft die Angst von ihrer ursprünglichen Wahrnehmungsfunktion als Warnung vor Gefahren trennt - eine klassische Form der Entfremdung - und damit nicht mehr sinnvoller Teil der Wahrnehmung ist. Zwar löst sich eine Angst manchmal auf, wenn man analysierend die Spur zurückgeht, doch sind Kinder in ihrer Weltsicht und Orientierung an den erziehenden Personen damit oft überfordert. Sie verinnerlichen diese Angst, denn sie können nicht ausreichend selbstdistanzierend fragen: Was ist wirklich gefährlich dabei? Was kann mir denn passieren? Ist es tatsächlich so schlimm, wenn das eintrifft, was ich fürchte? Welche eigenen Möglichkeiten stehen mir alternativ noch zur Verfügung? Kinder erleben Angst daher oft nur als dumpfes Gefühl des Unwohlfühlens, des Nichtgeliebtwerdens oder gar des Nutzlosseins. Das gilt häufig auch für die Schulangst und Prüfungsangst!

Zur Entwicklung der Kinder bis weit ins 10. Lebensjahr gehört daher die Auseinandersetzung mit der Angst lebensnotwendig dazu, wobei die unterschiedlichen Angstformen phasenweise erscheinen, doch nicht alle Phasen lassen sich immer eindeutig einem Lebensabschnitt des Kindes zuordnen, denn es kann auch vorkommen, dass ein Kind Ängste gar nicht oder nur schwach erlebt bzw. in optimaler Weise unbemerkt bewältigt.

Zum Teil stecken hinter den ersten Ängsten eines Kindes Urängste, die sich aber nicht immer evolutionär erklären lassen. Um den 8. Monat herum beginnen Babys oft zu Fremdeln, d.h., das Baby weint beim Anblick unbekannter Gesichter. Bis zum 3. Lebensjahr erleben Kleinkinder mehr oder weniger intensiv Trennungsängste, denn Kinder müssen erst lernen, dass eine kurze Trennung von der Bezugsperson gar nicht so schlimm ist. Ab dem 3. Lebensjahr beginnt die Angst vor dem Unbekannten, denn das Kind erlebt Niederlagen und ist sich seiner Stärke nicht mehr sicher. Unheimlichen Figuren aus Büchern oder Filmen schleichen sich jetzt in das Schlafzimmer und bedrohen das Kind, auch die Angst vor dem Tod kommt irgendwann dazu.

Angst ist grundsätzlich eine sinnvolle Warnfunktion bzw. eine lebenswichtige Schutzreaktion auf eine mögliche Bedrohung, wobei das Gehirn das Stresshormon Adrenalin aus schüttet und den Körpers in Alarmzustand versetzt, wodurch erstaunliche Kraftreserven mobilisiert werden. Zunächst geschieht alles instinktiv und erst danach schaltet sich der Verstand ein und bewertet die Situation rational, fragt sich also bewusst, ob etwa Angriff oder Flucht sinnvoll sind, wobei der Körper danach wieder mehr oder weniger schnell zur Ruhe kommt. Wer Gefahren fürchtet und sie möglichst vermeidet, überlebt in der Regel länger, doch empfinden Menschen nicht jeder eine Bedrohung gleich stark, d.h., das persönliche Angstpotential ist von vielen Faktoren abhängig, etwa von den eigenen Fähigkeiten, dem Selbstbewusstsein, schlechten Erfahrungen oder auch dem individuellen Temperament. Bei der neurotischen, also krankhaften Angst, reagiert der Körper übermäßig auch auf harmlose Situationen, bei Phobien fürchten sich Kinder vor Hunden, Spinnen oder haben Höhenangst, denn hier funktioniert die logische Analyse durch den Verstand nicht mehr. Zwar weiß man, dass diese Spinne harmlos ist, dennoch reagiert der Körper überschießend wie bei einer tatsächlichen Bedrohung.

Viele Kinder entwickeln bei schlechten Noten oder Niederlagen große Ängste vor der Schule, andere reagieren auf Schulstress mit Einschlafstörungen oder Aggressivität, doch auch körperliche Symptome wie Müdigkeit, Kopfschmerzen oder Appetitlosigkeit können Zeichen von Überforderung durch die Schule sein. Schulisches Versagen hat meist viele und auch unterschiedliche Auslöser, die im Umfeld der Schule, im familiären Bereich oder im persönlichen Erleben des Kindes liegen können. Wenn sich ein Kind von den MitschülerInnen nicht akzeptiert fühlt, gehänselt oder gar gemobbt wird, von den LehrerInnen nicht verstanden wird oder sich Sorgen um Ereignisse im Familienkreis macht, kann das die schulischen Leistungen stark beeinflussen. Eltern sollten auf jeden Fall Verständnis zeigen und bei schlechten Noten auf jeden Fall zuerst trösten und erst dann gemeinsam mit dem Kind analysieren, wie es dazu gekommen ist. Vermutet man Probleme im Verhalten des Kindes, sollte man keinesfalls dauernd nachfragen, denn viele Kinder verschließen sich dann und erzählen gar nichts mehr. Eltern sollten ein Gefühl von Geborgenheit vermitteln und die Schule nicht zum Familienthema Nummer eins machen.

Eltern sollten die Ängste des Kindes daher immer ernst nehmen und sich nie über Bedrohungen lustig machen, wobei auch logische Argumente wenig Sinn machen. Kinder reagieren in Situationen, in denen sie sich ängstigen, meist hilflos, d.h., sie überwinden ihre Angst erst, wenn sie sich wieder sicher fühlen.Wichtiger ist es daher, dass sich Kinder in der Familie geliebt und geborgen fühlen und ein positives Selbstwertgefühl entwickeln, so dass sie es schaffen, ihre Ängste von selber zu überwinden.

Da Ängste zum Entwicklungsprozess der Kinder gehören und sich nicht vermeiden lassen, sollte ein Kind nicht zu sehr behütet werden, da es sonst nicht lernt, sich mit seinen Ängsten auseinanderzusetzen. Später ist es, wenn es allein ist, in schwierigen Situationen hilflos und überfordert. Vor allem sollten Eltern darauf achten, ihre eigenen Ängste zu bewältigen und nicht auf die Kinder zu übertragen. Wenn sich Eltern als Vorbild ständig ängstigen, übertragen sie diese Ängste auf ihre Kinder. Beim Erlernen des Umgangs mit Gefahren und der damit verbundenen Angst sollten Eltern ihre Kinder auch nicht überfordern, denn sonst ängstigten sie sich nur noch mehr, da sie die Eltern nicht mehr als sicheren Halt hinter sich wissen.

In einem Elternratgeber (Fangrath, 2011) fanden sich folgende konkreten Vorschläge, wie Eltern aktiv mit den Ängsten ihrer Kinder umgehen können:

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Quellen

Stangl, W. (2008). Angst bei Kindern.
WWW: http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/EMOTION/AngstKinder.shtml (09-05-03)

Fangrath, A. (2011). Kinderängste bewältigen: So helfen Eltern.
WWW: http://www.experto.de/ (11-07-01)

 

 


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